Das Yoga-Programm von Kareen Zebroff

Das Yoga-Programm von Kareen Zebroff
Das Yoga-Programm von Kareen Zebroff

An der Yogalehrerin Kareen Zebroff scheiden sich die Geister. Die einen meinen, sie habe den traditionell ganzheitlich geprägten Yoga-Gedanken auf praktikable Trimm-dich-Übungen reduziert. Die anderen sehen in ihr eine verdienstvolle Asana-Pionierin des Hatha Yoga im Westen. Zebroff holte Mitte der 70er-Jahre die Yogamatte in deutsche Wohnstuben und schaffte es sogar, mit „Yoga für Yeden“ eine regelmäßige Yogareihe im ZDF zu etablieren. Hatte Yoga bis dahin noch als tendenziell sektenverdächtig und esoterisch gegolten, machte plötzlich ganz Deutschland mit. Warum aber schaffte es eine Kanadierin, die deutsche Nation für Yoga zu begeistern?

Eine Kanadierin mit deutschen Wurzeln

Kareen Zebroff kam 1941 als Helge-Kareen Brüggemann im mittelfränkischen Windsbach zur Welt. 1953 ließen ihre Eltern sich scheiden. Kareen und ihr Bruder lebten bei der Mutter in Heidelberg, bis sie 1956 gemeinsam Deutschland verließen und nach Kanada auswanderten. Die Kleinstadt Dawson Creek in der Provinz British Columbia wurde Kareens zweite Heimat. Im Anschluss an ihre Schulausbildung absolvierte sie ein Pädagogikstudium und arbeitete dann als Lehrerin in einer Elementary School. Nach der Heirat mit Peter Zebroff zog das Paar nach Norden an den Peace River ins beschauliche Hudson‘s Hope. Mit 27 Jahren war Kareen Zebroff , inzwischen Mutter dreier Kinder, stark übergewichtig und völlig antriebslos. Die früher stets schlanke junge Frau litt sehr unter ihrer Gewichtszunahme aufgrund einer Hyperglykämie und suchte nach Wegen, die Pfunde loszuwerden. Ein im örtlichen Kaufhaus eher zufällig erworbenes Yogabuch sollte Kareen Zebroffs Leben grundlegend verändern.

Wie Kareen Zebroff Yoga für sich entdeckte

Um ein besseres Gespür für die Ausführung der Asanas zu bekommen, belegte Zebroff einen Yogakurs an der Volkshochschule. Sie verzichtete weitgehend auf Zucker und nahm erfolgreich ab. Es folgten weitere Ausbildungen – und die Umsetzung der Idee, selbst Hatha Yoga zu lehren, damit mehr Menschen die wunderbare Wirkung am eigenen Körper erfuhren. Der indische Yogi Swami Schjam Atschary gab ihr einen neuen Panjabi-Vornamen, der im Englischen „Please, do it“ lautete. Mit seiner Zustimmung verwestlichte Kareen Zebroff Hatha Yoga. In Kanada wurde sie Anfang 1970 zum Fernsehstar. Ihr täglicher Yogakurs brach alle Rekorde, eine Flut dankbarer Zuschriften von Fans brach über sie herein. Dass sie wenig später auch im deutschen Fernsehen an diesen Erfolg anknüpfen konnte, war dennoch erstaunlich. Yoga war im Deutschland der 70er-Jahre wenig bekannt, lediglich einige Indienreisende kamen damit in Berührung. Ein größeres Interesse daran war nicht vorhanden, auch Yogalehrer oder gar Yogaschulen gab es nicht.

Yoga für Jeden und Asanas für alle

140 Asanas umfasste Zebroffs Repertoire, als Hanns Joachim Friedrichs, zu dieser Zeit Sportchef des ZDF, „Yoga für Yeden“ im Oktober 1973 ins Programm nahm. In nur fünf Sendeminuten während der „Sportinformation“ begeisterte Kareen Zebroff jeden Freitag Tausende für Yoga. Ihr Publikum war vorwiegend weiblich, aber der Überlieferung nach sollen selbst hartgesottene ZDF-Redakteure zugeschaut und den Lotussitz im Büro praktiziert haben. Spiritualität und Meditation klammerte die inzwischen gertenschlanke Blondine aus, stattdessen betonte sie die figurmodellierende und gesundheitliche Wirkungsbreite von Yoga. Ihr Buch „Yoga für Jeden“ wurde ein Bestseller. Es folgten ein weiteres Yogabuch speziell für Mütter und Kinder und 1975 ein neuer Sendeplatz für den Yogakurs in der täglich ausgestrahlten Drehscheibe. Spirituell orientierten Yogis und Yoginis mag dieser sportliche Ansatz ohne seelische Einstimmung noch so sehr missfallen – doch ohne Kareen Zebroffs „Yoga für Yeden“ hätte Yoga in Deutschland heute sicher nicht die heutige Akzeptanz. Die mittlerweile über 70-jährige jung und fit wirkende Zebroff lebt in Kanada, besucht gelegentlich Familienmitglieder in München und betreibt nach wie vor Yoga. Sie hat viele Menschen ermutigt, inspiriert und motiviert. Erst durch sie sind viele mit Yoga in Berührung gekommen. Dafür gebührt ihr zweifelsohne Respekt, ganz unabhängig davon, was man von ihrem turnerischen Yoga-Stil hält.

Bild © tomwang

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