Morgenyoga? Nichts für mich – aber wann dann?

Morgenyoga? Nichts für mich - aber wann dann?
Morgenyoga? Nichts für mich – aber wann dann?

Morgenmuffel bekommen schon bei der Vorstellung, regelmäßig um sechs Uhr aufzustehen, einen gehörigen Schrecken. Noch schlimmer wird es, wenn der Tag mit Yogaübungen beginnen soll. Viele Menschen schwören darauf: So wie andere, kaum dass sie aufgestanden sind und sich die Zähne geputzt haben, bereits ihre Joggingschuhe anziehen und das Haus verlassen, pilgern andere zu ihrer Matte auf dem heimischen Fußboden. Nur: Das Verletzungsrisiko selbst bei vermeintlich noch leichten Bodenübungen ist ungleich höher als das eines Menschen, der locker und leicht in den Tag läuft.

Yoga und unsere Orthopädie

Unser Körper ist von Natur aus auf Laufbewegungen eingestellt. Daher fallen sie uns leichter als andere Haltungen. Wir bewegen uns in dieser aufrechten Weise ab dem Moment, in dem wir das Bett verlassen. Nicht so schnell wie ein Jogger, aber doch gehend und im Rhythmus unserer Glieder, für die dies ganz natürlich ist.
Yogaübungen dagegen fordern uns auf andere Weise: Wir dehnen und recken uns extremer als normalerweise, falten uns zusammen und überdehnen gezielt den Rücken, wir überkreuzen extrem die Beine oder spreizen sie, stehen auf einem Bein oder auf dem Kopf – kurzum: Wir nehmen bei all dem oft Haltungen ein, die der Körper von sich aus nicht vorgibt. Wir müssen sie daher intensiv trainieren und merken umgekehrt, dass wir rasch an Elastizität verlieren, wenn wir längere Zeit mit dem Training aussetzen. Ein Jogger merkt das fehlende Training eher an Kondition, Ausdauer und Lungenvolumen; das ist etwas anderes, denn es betrifft nicht die Orthopädie.

Ohne Aufwärmen nicht starten

Umso wichtiger ist beim Yoga das Aufwärmen, das ein Jogger bei seinen Anfangsschritten von ganz allein erfährt. Sprints sind bei ihm im Anfangsstadium natürlich auch noch nicht angesagt, nicht nur die Beinmuskeln würden sich überanstrengen, verkrampfen, werden eventuell schmerzhaft gezerrt.

Wer morgens auf die Matte geht, muss die Gliedersteifheit durch gezielte, sehr vorsichtige Dehnübungen beseitigen. Muskeln, Sehnen und Bänder schlafen quasi noch. Falsche Bewegungen verursachen eventuell mehr als nur eine Zerrung. So können beispielsweise Rückendrehung und -beugung ohne Aufwärmen eines Tages zu Bandscheibenproblemen führen. Ein guter Alternativvorschlag: Setz dich frühmorgens auf ein Meditationskissen oder einen Stuhl (ohne dich anzulehnen), schließe die Augen und starte den Tag mit Atem- und/oder Meditationsübungen. Probiere Finger-Mudras aus und sorge für leichte Fußgymnastik. Das ist ein ebenso schöner Tageseinstieg.

Finde deine Zeit

Du siehst: Yoga muss nicht morgens geübt werden, ob dir frühe Aufstehzeiten angenehm sind oder nicht. Menschen, die darauf schwören, missionieren manchmal. Wenn du aber spürst, dass dies – aus welchem Grund auch immer – nicht die richtige Wahl für dich ist, suche konsequent deinen eigenen Weg, dein individuell gestaltetes Training. Es muss zu dir passen, zu niemandem sonst.
Finde deinen optimalen Termin: später am Vormittag, am Nachmittag oder am Abend. Dein Körper ist jetzt meist deutlich beweglicher als am Morgen, doch natürlich ist Aufwärmen auch jetzt angebracht.

Ansonsten solltest du von niemandem gestört werden und dich dabei wohlfühlen. Ungeeignet sind demnach Stunden, in denen kleine Kinder deine Aufmerksamkeit beanspruchen oder wenn du weißt, dass du in Kürze einen weiteren Termin hast, und rasch anstrengende Yogaübungen zwischendurch einbauen möchtest. Du solltest auch nicht direkt nach dem Essen üben.
Es ist mit dem Morgentraining dasselbe wie mit dem Abendtraining: Auch für den Abend gibt es Empfehlungen, ab dieser oder jener Uhrzeit nicht mehr zu üben. Doch für manche Menschen haben sich diese Zeiten als genau richtig erwiesen. Lass dich also nicht von anderen beirren.

Übrigens: Yogaübungen, die vom Leistungsgedanken getragen werden, bergen ebenfalls ein hohes Verletzungsrisiko. Yoga ist eine persönliche Angelegenheit und kein Wettkampf. Wenn du dich weiter strecken kannst als jemand anders, aber dies auf die falsche Art tust, läuft das dem eigentlichen Yoga-Grundgedanken zuwider.

Bild © yellowj

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