Das Bikram-Yoga von Bikram Choudhury

Das Bikram-Yoga von Bikram Choudhury
Das Bikram-Yoga von Bikram Choudhury

Bikram Choudhury gehört zu den erfolgreichsten, aber zugleich umstrittensten Yogameistern der Neuzeit. Der geschäftstüchtige amerikanische Yogalehrer mit indischen Wurzeln entwickelte ein eigenes Konzept, das er patentieren ließ und als Bikram-Yoga oder Hot-Yoga vermarktet. Stars wie Julia Roberts lieben seinen Yogastil, viele traditionell denkende Yogis können sich mit seinem Ansatz hingegen nicht anfreunden. Yoga als persönliches geistiges Eigentum, Asana-Championships oder gar Yoga als olympische Disziplin? Das widerspricht in ihren Augen der wahren Yogaphilosophie. Wer ist dieser Yogameister, über dessen Person, Charakter und Methodik so kontrovers diskutiert wird?

Kindheit und Jugend in Kalkutta

1946 in Kalkutta, einer der größten Städte und Ballungszentren Indiens geboren, begann Bikram Choudhury mit vier Jahren, Hatha Yoga zu praktizieren. Sein Guru war Bishnu Charan Gosh, ein Bruder des legendären Paramahansa Yogananda. Dieser hat mit seinem Buch „Autobiografie eines Yogi“ vielen Menschen im Westen Einblicke in die Yogaphilosphie ermöglicht und so Yogalehre und -praxis dort den Boden bereitet. Als 12-Jähriger war Bikram Indiens jüngster Yoga-Champion und wurde mit 14 Jahren zum Yogiraj ernannt. Die fast unglaubliche Heilkraft von Yoga erkannte er aber erst mit 18 nach einem Trainingsunfall beim Gewichtheben. Eine schwere Hantel hatte sein Knie zertrümmert. Er fühlte sich als Krüppel, sein Yogalehrer ermutigte ihn dennoch zu Asanas wie dem Lotussitz – in seinem Zustand eigentlich unvorstellbar. Doch das Wunder geschah: Ein halbes Jahr später war Bikram fit und überzeugt davon, in Yoga eine wirksame Therapie gegen verschiedenste Krankheiten gefunden zu haben.

Die Entstehung des Hot-Yoga in Japan und der Beginn der Bikram-Erfolgsstory

In Mumbai entwickelte Bikram nach seiner Genesung die feste Übungsabfolge, für die Bikram-Yoga heute weltweit bekannt ist. 1970 reiste er nach Japan, um dort in Tokio eine Yogaschule zu eröffnen. Dort drehte er erstmals die Heizung während der Übungsstunden auf. Zu den Schülern gehörte auch der spätere Premier Kakuei Tanaka. Danach unterrichtete Bikram, der bereits eine gewisse Berühmtheit als „Wunderheiler“ erlangt hatte, auch auf Hawaii. Präsident Nixon gehörte dort zu seinen „Patienten“ und bedankte sich für die erfolgreiche Anwendung von Bittersalz im Badewasser mit einer Greencard. Mittlerweile ist Bikram Choudhury amerikanischer Staatsbürger. Nachdem er 1973 in Kalifornien „Bikram Yoga College of India“ gegründet hatte, wurde er für die Bikram-Yoga-Patentanmeldung, seinen luxuriösen Lebensstil sowie seinen Hang zur Kommerzialisierung des Yoga zunehmend kritisiert, bis es 2004 zu einem Rechtsstreit um den Markeneintrag kam. Offen ist der Ausgang weiterer Gerichtsverfahren, in denen ihm sexuelle Übergriffe zur Last gelegt werden.

Das Bikram-Yoga-Konzept: Yoga-Training bis zur Erschöpfung

Bei einer Raumtemperatur von bis zu 40 Grad Celsius bedeutet eine Bikram-Yogastunde hartes, schweißtreibendes Training mit rund 2 Liter Wasserverlust. Trinken während des Unterrichts ist deshalb Pflicht. Die Reihenfolge der Übungen (26 Asanas, 2 Atemübungen) ist festgelegt und wird zweimal wiederholt. Die Hitze soll den Kreislauf anregen, Muskeln und Sehnen lockern und die Beweglichkeit des Körpers erhöhen. Bei Kreislaufproblemen und Vorerkrankungen sollte belastendes Bikram-Yoga nicht ohne ärztliches Einverständnis praktiziert werden. In seiner Yogaschule in Los Angeles führt Bikram Yogawettbewerbe durch, bei denen neben Ausführung und Stil der Asanas auch Körperbau und Kleidung bewertet werden. Erklärtes Ziel ist es, Bikram Yoga als olympische Disziplin zu etablieren, um mehr Menschen für Yoga zu begeistern. Die weltweite Zahl der lizenzierten Bikram-Schulen übersteigt inzwischen die 1000er-Marke. Bikram-Lehrer dürfen sich nur die derzeit rund 7000 Yogalehrer nennen, die eine persönliche Ausbildung beim Meister selbst erfahren haben. Für Bikram Choudhury sind dies Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Gemeinsam mit seiner Frau Rajashree Choudhury leitet er die sogenannten Teacher Trainings.

Wie auch immer man persönlich zu Bikram-Yoga und zu seinem „Erfinder“ stehen mag: Am Erfolg gemessen ist Bikram Choudhury ein maßgeblicher Teil der Yogaszene.

Bild © fxegs