Nadi Shodhana – Sonne und Mond verbinden

Nadi Shodhana - Sonne und Mond verbinden
Nadi Shodhana – Sonne und Mond verbinden

Nadi Shodhana heißt die Reinigungs- oder Wechselatmung durch die Nase, die die Nadis, die Energiekanäle des Körpers, durchpustet. Dabei steht die rechte Seite für die Sonne, die linke für den Mond. Hier verlaufen die beiden Nadis Ida (auf der rechten Nasenseite) und Pingala (auf der linken Nasenseite). Sie führen zur stärksten Nadi, der Sushumna, die parallel zur Wirbelsäule verläuft. Auf ihr beziehungsweise in ihr liegen unsere wichtigen Energiezentren, die Chakras.

Wir besitzen 72.000 dieser feinstofflichen Nadis. Das Wort Nadi bedeutet Röhre. In den Nadis fließt Prana, die Lebensenergie, die in einem weiter gefassten Begriff für die komplette kosmische Energie steht. Es geht also darum, dein Prana zu stärken und dir neue Kraft sowie Gelassenheit zu schenken. Gleichzeitig befreit die Wechselatmung die Nasengänge, stärkt die Konzentration und ist gut gegen Kopfschmerzen. Sie kann Atemerkrankungen wie Asthma mildern, beugt Erkältungen vor und bringt die linke und rechte Gehirnhälfte in Einklang.

Die Wechselatmung kann jederzeit angewendet werden, auch mehrmals am Tag. Empfohlen wird sie mindestens einmal täglich morgens oder abends. Du kannst sie als alleinige Übung nutzen, um zu dir zu kommen und einer stressigen Situation einen Gegenpol zu bieten. Sie wird ebenso gern eingesetzt vor einer meditativen Übung, weil sie deinem Geist Ruhe schenkt – eine hervorragende Einstimmung. Alternativ integrierst du sie in eine umfangreichere Reihe von Atemübungen.

Das Schöne an Nadi Shodhana: Du kannst die Übung fast überall und jederzeit anwenden. Du brauchst keine Hilfsmittel und keine besonderen Vorbedingungen. Ein ruhiger Moment reicht schon für ein paar tiefe Atemzüge. Bist du ein wenig mehr geübt, befreist du dich in wenigen Sekunden von Stress und Unruhe.

Anleitung

– Nimm eine bequeme Sitzposition ein. Setze dich dazu auf einen Stuhl, knie dich hin oder wähle den Lotussitz. Der Rücken ist gerade und dabei so entspannt wie möglich. Lehne dich nirgends an.

– Lege die linke Hand mit der Handfläche nach oben auf deinen Oberschenkel. Die Spitzen von Daumen und Zeigefinger berühren sich. Übe keinen zusätzlichen Druck aus. Die übrigen drei Finger streckst du lang aus. Diese Haltung nennt sich Jnana Mudra. Es ist eines der stärksten Mudras überhaupt und stimuliert unter anderem das Gehirn.

– Atme einige Male tief ein und aus.

– Für die rechte Hand gibt es zwei Varianten. Du suchst dir diejenige aus, die dir am angenehmsten ist:
* Du legst die Spitzen von Zeigefinger und Mittelfinger zwischen die Augenbrauen. Der Daumen liegt an der rechten Nasenseite, Ringfinger und kleiner Finger an der linken Seite.
* Zeigefinger und Mittelfinger werden eingeknickt. Die übrigen Finger liegen rechts und links an der Nase wie beschrieben.

– Mit dem rechten Daumen drückst du nun das rechte Nasenloch zu und atmest links tief aus.

– Nun atmest du auf der linken Nasenseite tief ein. Zähle dabei bis fünf.

– Die Luft wird kurz angehalten, dabei schließen Ringfinger und kleiner Finger das linke Nasenloch (es sind also beide Nasenseiten geschlossen). Zähle während des Anhaltens bis vier.

– Nun öffnet der Daumen das rechte Nasenloch, die linke Seite bleibt geschlossen. Du atmest rechts aus. Zähle dabei bis fünf.

– Du atmest rechts wieder ein und zählst bis fünf.

– Das rechte Nasenloch wird ebenfalls geschlossen. Du hältst die Luft an und zählst bis vier.

– Die linke Seite wird geöffnet, der Atem strömt auf fünf aus.

Nun ist ein kompletter Kreislauf geschlossen. Bei Zeitmangel schaffst du sicher nur wenige Durchläufe. Wenn du Zeit hast, kannst du diese Wechselatmung bis zu einer halben Stunde betreiben. Das gilt aber nur für Geübte. Wenn dir schwindelig wird, hörst du bitte sofort auf und übst zu einem anderen Zeitpunkt weiter. Steigere dich langsam!

Auch die Zählzeiten lassen sich variieren. Unsere Vorgabe ist für Anfänger gut geeignet. Mit der Zeit kannst du testen, ob du länger aus- und einatmen sowie die Luft anhalten kannst. Das Ganze sollte jedoch immer leicht und ohne Mühe vor sich gehen. Es ist eine Entspannungstechnik, kein Wettkampf gegen die Uhr. Jeder findet dabei seinen eigenen Rhythmus.

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