Das Vishnu Mudra zur Reinigung der Energie-Kanäle

Das Vishnu Mudra zur Reinigung der Energie-Kanäle
Das Vishnu Mudra zur Reinigung der Energie-Kanäle

Das Vishnu Mudra ist eine Pranayama-Übung, also eine Atemübung der Kategorie ausgleichende Wechselatmung. Wechselatmung wird im Sanskrit „Nadi Shodhana“ genannt. Übersetzt bedeutet dies „Reinigung der Nadis“, wobei mit Nadis die energetischen Kanäle im feinstofflichen Körper gemeint sind. Die Nadis müssen frei von Blockaden und Unreinheiten sein, damit sich das Prana bzw. die Energie ungehindert bewegen kann. Nur dann können wir Freude, Ausgeglichenheit und Harmonie erfahren. Für die Praxis vom Vishnu Mudra werden Zeigefinger und Mittelfinger in Richtung Daumenballen gebeugt. Ringfinger, Daumen und kleiner Finger werden abgespreizt. Mit Daumen und Ringfinger werden die Nasenlöcher abwechselnd zugehalten, um die Wechselatmung zu unterstützen. Das Vishnu Mudra ist übrigens nach einem wichtigen hinduistischen Gott benannt. Vishnu ist der Beschützer der Welt, der dafür sorgt, dass das Universum im Gleichgewicht gehalten wird. Diesbezüglich kann der Name des Mudras auch auf die Wirkung der damit regelmäßig angewandten Wechselatmung abgeleitet werden, bei welcher der energetische und physische Energiefluss optimal in Harmonie gehalten wird.

Vishnu Mudra in der Praxis

Die Handhaltung Vishnu Mudra wird bei der aktiven Nasenloch-Atemübung im Yoga verwendet. Wie bereits beschrieben werden Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand in Richtung der Handfläche gekrümmt, während die restlichen Finger abgespreizt bleiben. Daumen und Ringfinger werden sanft auf beide Seiten der Nase gelegt. Bei der Einatmung durch das linke Nasenloch schließt der Praktizierende sein rechtes Nasenloch mit dem Daumen. Die anschließende Ausatmung erfolgt durch das rechte Nasenloch, das losgelassen wird. Gleichzeitig wird mit dem Ringfinger das linke Nasenloch geschlossen. Nachdem dann umgekehrt durch das rechte Nasenloch eingeatmet und durch das linke ausgeatmet wird, ist ein Wechselatmungszyklus abgeschlossen.

Variationen von Vishnu Mudra

Dieses Pranayama wird nach einem abgeschlossenen Wechselatmungszyklus mehrmals wiederholt. Dabei kann man unterschiedliche Techniken anwenden. Eine davon ist die Wechselatmung ohne Luftanhalten, also das Atmen ohne Pausen. Diese Technik wird von vielen Menschen als angenehmer empfunden, da manche Beklemmungsgefühle durch das Anhalten der Atmung bekommen. Ein guter Atemrhythmus ist beim Einatmen bis fünf zu zählen. Die Ausatmung erfolgt ohne Pause, allerdings länger als bei der Einatmung. Optimal zählt man beim Ausatmen im Inneren leise bis 10, bevor mit der kurzen Einatmung fortgesetzt wird. Nadi Shodhana mit Luftanhalten wird mit Atempausen zwischendurch praktiziert, wobei dieses Luftanhalten unterschiedlich lange durchgeführt werden kann. Ein möglicher Atemrhythmus dabei ist, bei der vollen Yoga-Einatmung bis drei zu zählen, danach mit Ringfinger und Daumen beide Nasenlöcher zuzuhalten und bis zwölf zu zählen und im Anschluss die Ausatmung über sechs Sekunden lang durchzuführen. Solch eine Wechselatmung kann unterschiedliche Proportionen haben. Ein Basisrhythmus von Einatmen-Luftanhalten-Ausatmen ist beispielsweise 1-4-2. Die Wechselatmung mit Vishnu Mudra kann aber auch mit einem Rhythmus von 3-6-3, 4-16-18 oder sogar 5-20-10 durchgeführt werden. Wichtig bei der Ausübung der Wechselatmung mit oder ohne Atempause ist jedenfalls, dass sich der Praktizierende dabei wohl fühlt. Bei Unwohlsein oder einem Schwindelgefühl sollte die Wechselatmung sofort abgebrochen und wieder in einem normalen Rhythmus geatmet werden. Am besten, man beginnt die Wechselatmung mit Vishnu Mudra langsam, ohne Atempausen und in einem kürzeren Atemrhythmus und steigert mit zunehmender Praxiserfahrung langsam die Abstände und Pausen.

Wirkung vom Pranayama Vishnu Mudra

Dem Vishnu Mudra werden einige positive Effekte nachgesagt. Angeblich gleicht dieses Pranayama die rechte und die linke Seite des Gehirns aus und sorgt für eine verbesserte Konzentration und eine gute Vorbereitung für eine anschließende Meditation. Die astralen Energiebahnen werden gereinigt, sodass die Energie wieder frei fließen kann. Des Weiteren beruhigt die Praxis von Visnu Mudra den Geist und reduziert Stress. Durch tiefe und langsame Atemphasen, insbesondere, wenn diese mit einem Luftanhalten kombiniert werden, verbessert sich die Energie, da Lebensenergie bei langsamer Atmung und Anhalten der Atmung besser aufgenommen werden kann. Die meisten Yogis fühlen sich nach der Anwendung von Vishnu Mudra erfrischt, ausgeruht, in ihrer Mitte und energetisch aufgeladen.

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Prana Mudras – Atem-Mudras

Prana Mudras - Atem-Mudras
Prana Mudras – Atem-Mudras

Mudras werden gern als das Herzstück von der Hatha Yoga Praxis bezeichnet. Frei übersetzt bedeutet der Begriff „Mudra“ so viel wie „Siegel“, „Zeichen“ oder „Kennzeichen“, aber auch „lustig“ und „fröhlich“. Mit Atem-Mudras kannst du dir Entspannung verschaffen, ohne dafür viel Platz oder Zeit zu benötigen. Die praktischen Mudras kannst du im Zug, im Wartezimmer und überall anders ganz schnell und unkompliziert durchführen.

Die folgenden Mudras empfehlen sich für Einsteiger ebenso wie auch für Fortgeschrittene. Ihre variablen Effekte machen sie zur vielseitigen Hilfe, wichtig ist dabei, dass sie gleichmäßig durchgeführt werden. Sie sollten mit einer bestimmten inneren Ausrichtung stattfinden und können auch mehrmals am Tag ausgeübt werden. Hilfreich ist bei allen folgenden Mudras, wenn du dir vorstellst, dass deine Finger wie Magneten aneinander haften.

1. Chin Mudra

Das Chin Mudra steht stellvertretend für Selbstverwirklichung. Es begünstigt zudem den Energiefluss im Körper und wirkt sich positiv auf die Achtsamkeit aus. Für diese meditierende Haltung musst du deine Zeigefinger und Daumen zusammendrücken, die Hände legst du ganz entspannt auf den gekreuzten Beinen ab. Während du dieses Mudra überall durchführen kannst, empfiehlt sich das Unterlegen einer Matte, um einen bequemen Sitz für die Meditation zu finden. Die Übung kannst du entweder zeitgleich durchführen oder indem du zuerst die Finger der rechten Hand verbindest, sie ablegst und dann die linke Hand nachziehst. Die drei Finger, die nicht zusammengeführt werden, befinden sich immer in möglichst gerader Position.

2. Chinmaya Mudra

Das Chinmaya Mudra ist eine Abwandlung vom Chin Mudra. Der Unterschied manifestiert sich in der Haltung der Finger, auch wenn weiterhin der Daumen und Zeigefinger zueinander geführt werden. Auch hier begibst du dich mit gekreuzten Beinen auf den Boden beziehungsweise eine Matte. Die zusammengeführten Daumen und Zeigefinger formen einen Ring, die weiteren drei Finger der Hand werden in die Handfläche zusammengerollt. Achte darauf, dass sich deine Finger lediglich berühren, nicht aber gegenseitigen Druck auswirken. Die Hände werden erneut auf die Beine abgelegt, die Handflächen zeigen nach oben. Hier kannst du deine innere Energie und Ruhe finden, deinen Atem verfolgen und Stress abwerfen.

3. Adhi Mudra

Adhi Mudra hat eine heilende Wirkung bei Traurigkeit, beruhigt das Nervensystem und begünstigt die Sauerstoffzufuhr in den unteren Teilen des Körpers. Für diese Übung platzierst du deinen Daumen auf deinem kleinen Finger, die weiteren Finger verkrümmen sich so, dass deine Hand eine Art Faust ergibt – ohne die einzelnen Finger aber kraftvoll gegeneinander auszurichten. Während der Haltung dieser leichten „Faust“, kannst du Atemübungen durchführen. Atme für vier Sekunden ein, für drei Sekunden aus, für sechs Sekunden ein und wieder für drei Sekunden aus. Das stärkt die Funktionsweise der inneren Organe, erhöht die Lungenkapazität und hat einen beruhigenden Effekt.

4. Brahma Mudra

Das Brahma Mudra lässt sich fast überall ausführen und benötigt kaum mehr als fünf Minuten deiner Zeit. Es hilft unter anderem bei Verspannungen, beispielsweise in der Nacken- oder Schulterpartie. Bring deine Finger in die gleiche Position, wie auch schon beim Adhi Mudra, nur dass du deine Hände im Anschluss in Höhe des Bauchnabels führst. In dieser Position kannst du erneut Atemübungen ausführen und den Lauf des Atems in aller Ruhe verfolgen. Versuch dir ganz bewusst aufzuzeigen, wie der Sauerstoff deinen Körper durchdringt und damit einen positiven Effekt auf den Geist und Körper einnimmt.

5. Hakini Mudra

Das Hakini Mudra hilft dir beim Entspannen, vertieft die Atmung und hat einen positiven Effekt auf den gesamten Organismus. Du versorgst dein Gehirn aktiv mit wertvollem Sauerstoff, wodurch sich auch deine Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit steigert. Für das Hakini Mudra legst du alle Fingerspitzen beider Hände leicht aufeinander. Während deine Zunge locker im Mundraum liegt, atmest du schließlich tief ein, hältst die Luft für vier Sekunden und atmest sie dann behutsam wieder aus. Das kannst du ungefähr 10 bis 12 Mal wiederholen, wobei du bereits nach den ersten Atemzügen feststellen kannst, dass das Zwerchfell weicher wird. Es tritt eine beruhigende Wirkung ein, die dir schon nach einigen Zügen hilft, dich weiter auf die Zirkulation der Luft zu fokussieren. Das Hakini Mudra kannst du im Stehen oder Sitzen ausführen.

6. Vishnu Mudra

Das Vishnu Mudra hilft deinem Körper die Atmung zwischen dem linken und dem rechten Nasenloch zu regulieren. Trotz dieser Wechselwirkung, führst du das Vishnu Mudra aber nur mit der rechten Hand aus. Öffne diese und beuge sowohl deinen Mittel- als auch den Zeigefinger leicht ein, um die Fingerkuppen dieser beiden Finger auf den Daumenballen abzulegen. Danach bewegst du den Daumen zum Ringfinger hin, während dieser und der kleine Finger eng aneinander liegen. Die rechte Hand legst du dann so an die Nase, dass das letzte Glied vom Daumen direkt am rechten Nasenflügel liegt. Die Kuppe vom Ringfinger liegt auf dem linken Nasenflügel. Du kannst dann jeweils ohne großen Druck ein Nasenloch verschließen, um durch das andere zu atmen – es entsteht Nadi Shodhana: die Wechselatmung.

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Nadi Shodhana – Sonne und Mond verbinden

Nadi Shodhana - Sonne und Mond verbinden
Nadi Shodhana – Sonne und Mond verbinden

Nadi Shodhana heißt die Reinigungs- oder Wechselatmung durch die Nase, die die Nadis, die Energiekanäle des Körpers, durchpustet. Dabei steht die rechte Seite für die Sonne, die linke für den Mond. Hier verlaufen die beiden Nadis Ida (auf der rechten Nasenseite) und Pingala (auf der linken Nasenseite). Sie führen zur stärksten Nadi, der Sushumna, die parallel zur Wirbelsäule verläuft. Auf ihr beziehungsweise in ihr liegen unsere wichtigen Energiezentren, die Chakras.

Wir besitzen 72.000 dieser feinstofflichen Nadis. Das Wort Nadi bedeutet Röhre. In den Nadis fließt Prana, die Lebensenergie, die in einem weiter gefassten Begriff für die komplette kosmische Energie steht. Es geht also darum, dein Prana zu stärken und dir neue Kraft sowie Gelassenheit zu schenken. Gleichzeitig befreit die Wechselatmung die Nasengänge, stärkt die Konzentration und ist gut gegen Kopfschmerzen. Sie kann Atemerkrankungen wie Asthma mildern, beugt Erkältungen vor und bringt die linke und rechte Gehirnhälfte in Einklang.

Die Wechselatmung kann jederzeit angewendet werden, auch mehrmals am Tag. Empfohlen wird sie mindestens einmal täglich morgens oder abends. Du kannst sie als alleinige Übung nutzen, um zu dir zu kommen und einer stressigen Situation einen Gegenpol zu bieten. Sie wird ebenso gern eingesetzt vor einer meditativen Übung, weil sie deinem Geist Ruhe schenkt – eine hervorragende Einstimmung. Alternativ integrierst du sie in eine umfangreichere Reihe von Atemübungen.

Das Schöne an Nadi Shodhana: Du kannst die Übung fast überall und jederzeit anwenden. Du brauchst keine Hilfsmittel und keine besonderen Vorbedingungen. Ein ruhiger Moment reicht schon für ein paar tiefe Atemzüge. Bist du ein wenig mehr geübt, befreist du dich in wenigen Sekunden von Stress und Unruhe.

Anleitung

– Nimm eine bequeme Sitzposition ein. Setze dich dazu auf einen Stuhl, knie dich hin oder wähle den Lotussitz. Der Rücken ist gerade und dabei so entspannt wie möglich. Lehne dich nirgends an.

– Lege die linke Hand mit der Handfläche nach oben auf deinen Oberschenkel. Die Spitzen von Daumen und Zeigefinger berühren sich. Übe keinen zusätzlichen Druck aus. Die übrigen drei Finger streckst du lang aus. Diese Haltung nennt sich Jnana Mudra. Es ist eines der stärksten Mudras überhaupt und stimuliert unter anderem das Gehirn.

– Atme einige Male tief ein und aus.

– Für die rechte Hand gibt es zwei Varianten. Du suchst dir diejenige aus, die dir am angenehmsten ist:
* Du legst die Spitzen von Zeigefinger und Mittelfinger zwischen die Augenbrauen. Der Daumen liegt an der rechten Nasenseite, Ringfinger und kleiner Finger an der linken Seite.
* Zeigefinger und Mittelfinger werden eingeknickt. Die übrigen Finger liegen rechts und links an der Nase wie beschrieben.

– Mit dem rechten Daumen drückst du nun das rechte Nasenloch zu und atmest links tief aus.

– Nun atmest du auf der linken Nasenseite tief ein. Zähle dabei bis fünf.

– Die Luft wird kurz angehalten, dabei schließen Ringfinger und kleiner Finger das linke Nasenloch (es sind also beide Nasenseiten geschlossen). Zähle während des Anhaltens bis vier.

– Nun öffnet der Daumen das rechte Nasenloch, die linke Seite bleibt geschlossen. Du atmest rechts aus. Zähle dabei bis fünf.

– Du atmest rechts wieder ein und zählst bis fünf.

– Das rechte Nasenloch wird ebenfalls geschlossen. Du hältst die Luft an und zählst bis vier.

– Die linke Seite wird geöffnet, der Atem strömt auf fünf aus.

Nun ist ein kompletter Kreislauf geschlossen. Bei Zeitmangel schaffst du sicher nur wenige Durchläufe. Wenn du Zeit hast, kannst du diese Wechselatmung bis zu einer halben Stunde betreiben. Das gilt aber nur für Geübte. Wenn dir schwindelig wird, hörst du bitte sofort auf und übst zu einem anderen Zeitpunkt weiter. Steigere dich langsam!

Auch die Zählzeiten lassen sich variieren. Unsere Vorgabe ist für Anfänger gut geeignet. Mit der Zeit kannst du testen, ob du länger aus- und einatmen sowie die Luft anhalten kannst. Das Ganze sollte jedoch immer leicht und ohne Mühe vor sich gehen. Es ist eine Entspannungstechnik, kein Wettkampf gegen die Uhr. Jeder findet dabei seinen eigenen Rhythmus.

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