Niyama: Größere Zufriedenheit durch Selbstbeherrschung

Niyama: Größere Zufriedenheit durch Selbstbeherrschung
Niyama: Größere Zufriedenheit durch Selbstbeherrschung

Vielleicht bist du auch schon einmal auf einen Ratgeber gestoßen, der dir empfiehlt, nach dem Verhaltenskodex des Niyama zu leben. Eine Selbstreinigung, wertvolle Selbsterkenntnisse und allgemein eine bessere Lebensqualität werden dabei häufig in Aussicht gestellt. Richtig durchschaut hast du es bislang jedoch nicht. Dabei möchten wir Dir helfen: Wir erklären in einfach verständlichen Worten, worum es bei dem Kodex handelt und was du vielleicht erreichen kannst, wenn du ihn befolgst.

Niyama: Die zweite Stufe des Raya Yoga

Der indische Gelehrte Patanjali hat in Gestalt des Yogasutra vor mehr als 2000 Jahren das Grundwerk des Yoga verfasst. Sein „Raya Yoga“ hat er dabei als „Ashtanga“ bzw. „achtstufig / achtgliedrig“ beschrieben. Die zweite Stufe / Ebene ist dabei Nimaya – es folgt auf Yama (die „zwischenmenschliche Ethik“).

Während Yama Grundsätze für das Leben mit anderen Menschen vorgibt, setzt Niyama die Regeln für das Leben mit dir selbst. Vereinfacht gesagt geht es darum, dass du eine Form der Selbstbeherrschung erreichst, durch die du eine größere innere Zufriedenheit erlangen kannst. Der Kodex besteht dabei aus fünf Leitsätzen:

  • Sauca
  • Samtosa
  • Tapas
  • Svadhyaya
  • Ishvarapranidhana

Sauca

Sauca meint die innerliche und äußerliche Reinigung bzw. Reinheit. Die äußerliche Sauberkeit zielt dabei schlicht auf die körperliche Hygiene ab. Innerlich meint Sauca dagegen einen Zweiklang. Einerseits sollen keine körperlichen Funktionen blockiert werden. Dies setzt beispielsweise eine gesunde Ernährung voraus. Anderseits soll aber auch die Reinheit des Geistes erreicht werden. Hierbei helfen die asana (Haltungen im Yoga), die Kyrias (spezielle Reinigungsübungen) und die pranayama (Atemübungen).

Samtosa

Samtosa ist im Sanskrit das Wort für Bescheidenheit und Genügsamkeit. Niyama mahnt durch diese Regel, nicht zu viel erwarten, um dann enttäuscht zu sein. Stattdessen sollen die Dinge so angenommen werden wie sie sind. Zudem soll sich der Mensch nicht mit anderen vergleichen, sondern auf die eigenen Leistungen konzentrieren.

Tapas

Tapas bedeutet „Erhitzen“ oder „Verbrennen“. Damit ist gemeint, dass sich der Mensch gesund und fit halten soll. Patanjali zielte damit vor allem auf Atemübungen. Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung allerdings erweitert. Regelmäßige körperliche Ertüchtigung beschreibt diese Regel des Niyama genau wie das bewusste Essen. Insgesamt geht es darum, dem Körper eine Chance zu geben, sich zu entschlacken. Damit sind nicht nur die Giftstoffe gemeint, die sich in jenem angesammelt haben, sondern zugleich auch die psychischen Belastungen. Durch Tapas sollen diese durch das körpereigene Feuer (Agni) verbrannt werden.

Svadhyaya

Svadhyaya ist im Sanskrit die Vokabel für „Selbstreflexion“. Damit ist gemeint, dass die eigenen Handlungen und Gedanken kritisch beobachtet werden, um sich die auch die versteckten Beweggründe des eigenen Tuns bewusster vor Augen zu führen. Zusätzlich meint Svadhyaya aber auch das Leben nach Orientierung gebenden Vorbildern. Patanjali hat hierfür beispielsweise das Studium alter Texte empfohlen, die einen spirituellen, philosophischen oder religiösen Hintergrund haben. Heute wird es breiter gefasst. Du sollst sich von dem Beispiel eines selbstverwirklichten Meisters inspirieren lassen.

Ishvarapranidhana

Ishvarapranidhana (manchmal auch Ishvara Pranidhana) heißt als Teil es Niyama so viel wie „Vertrauen auf Gott“. Konkret ist damit gemeint, dass du dich der Führung einer höheren Macht anvertrauen sollst. Alle Herausforderungen im Leben sollst du als göttliche Aufgaben verstehen, die darauf abzielen, dir Kraft zu geben. Die Idee dahinter ist, die Ängste und Zweifel abzulegen und darauf zu vertrauen, dass die göttliche Macht den richtigen Weg vorgeben wird – sie wirkt selbst durch unsere Fehler und weiß, was wir benötigen. Idealerweise gehst du durch den Alltag und sorgst dich nicht mehr, was kommt, sonst erlebst und genießt bewusst das hier und jetzt.

Fazit: Viel Bekanntes in kompakter Form

Viele dieser Grundsätze hast du in dieser oder in ähnlicher Form sicher schon einmal gehört. Der große Vorzug des Niyama ist, dass du alle Regeln kompakt gebündelt findest und sie so einfacher befolgen kannst.

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Pratyahara: das fünfte Glied im Raja Yoga

Pratyahara: das fünfte Glied im Raja Yoga
Pratyahara: das fünfte Glied im Raja Yoga

Pratyahara: das fünfte Glied im Raja Yoga

Für Menschen, die sich mit Yoga noch nicht grundlegend beschäftigt haben, besteht Yogapraxis vor allem aus Körperübungen, den Asanas. Doch Yoga ist natürlich viel mehr, wie jeder erkennt, der sich mit der Jahrtausende alten Tradition näher beschäftigt. Dass Yoga Körper, Geist und Seele gleichermaßen erfasst, wird beim Raja Yoga (Asthanga Yoga) besonders deutlich. Hier gibt es acht Glieder, die Patanjali in seinen Yoga Sutras bschreibt. Pratyahara ist das fünft Glied im achtgliedrigen Yoga. Hier erfährst Du mehr über dessen Einordnung, die Praxis und die Wirkungen.

Die acht Glieder des Raja Yoga

Das Raja Yoga besteht aus den folgenden Gliedern:

  1. Yama : der Umgang mit anderen
  2. Niyama: das Verhalten sich selbst gegenüber
  3. Asana: die Körperübungen
  4. Pranayama : die Atemübungen
  5. Pratyahara: das Zurücknehmen der Sinne
  6. Dharana: die Konzentration
  7. Dhyana: die Absorption beim Meditieren
  8. Samadhi: das Überbewusstsein

Die Stufen rund um Pratyahara sollen an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden. Es geht nur darum, dass Du erkennst, wie Pratyahara eingeordnet ist und dass Yoga Körper, Geist und Seele in Ganzheitlichkeit betrachtet.

Pratyahara: der Rückzug der Sinne

Pratyahara kommt wie viele Bezeichnungen im Yoga aus dem Sanskrit. Das Wort bedeutet „Rückzug aus der Schlacht“. Auch wenn es um nichts Militärisches geht, passt das Bild aber zu einem gewissen Grad in die heutige Zeit. Wie häufig stürmen Sinneseindrücke und Gedanken auf uns ein. Der „Krieg“, der dann in unserem Kopf tobt, macht Stress. Daher ist Pratyahara ein wesentlicher Baustein, wenn es um unser Wohlbefinden geht. Denn wenn nichts mehr auf uns einprasselt, unsere „inneren Truppen“ sich einmal zurückgezogen haben, spüren wir häufig die Ruhe und Entspannung, die wir schon lange gesucht haben.

Merkmale von Pratyahara

Zu diesem fünften Glied im achtgliedrigen Pfad gehören mehrere Merkmale. Zum einen ist es das Zurückziehen von Sinnesobjekten. Im Yoga versteht man darunter alles, was wir mit den Sinnen erfassen können. Was wir sehen, hören, schmecken, riechen oder tasten können. Zum anderen ist ein Merkmal auch der Rückzug von unserer Wahrnehmung. Das bedeutet, dass wir Sinneseindrücke in diesem Zustand gar nicht erst zulassen. Das dritte Merkmal ist der Rückzug von der Anhaftung. Hier geht es darum, den Geist nicht aktiv werden zu lassen.

Pratyahara im Alltag und bei der Meditation

Im Alltag lässt Du das fünfte Glied des Raja Yoga immer wieder einfließen. Das ist natürlich erst dann möglich, wenn Du nach und nach ein Bewusstsein für diesen Zustand entwickelt hast. Auch in der Meditation kannst Du ihn einbinden. Hier erinnerst Du Dich vielleicht an Deinen ersten Stunden beim Yoga, wo Du in der Stille sitzen solltest und Gedanken, die aufkommen, unbewertet an Dir vorüberziehen lassen solltest.

Vorbereitung ist nötig. Pratyahara ist nicht ohne Grund das fünfte Glied im Raja Yoga. Du solltest erst dann beginnen, Dich diesen Übungen zu widmen, wenn Du mit den vorausgegangenen Stufen einigermaßen vertraut bist. Zudem ist ein Yogalehrer an Deiner Seite hilfreich, der über gute spirituelle Praxis verfügt. Disziplin und Ausdauer sind am Anfang sehr wichtig. Den je mehr Du versuchst, Dich auf etwas nicht zu fokussieren, umso mehr wirst Du es am Anfang mit hoher Wahrscheinlichkeit tun.

Die Sinne nacheinander zurückziehen

Alle Sinne auf einmal zurückzuziehen, ist nahezu unmöglich. Daher gibt es eine Art Faustregel, wie Du Pratyahara am besten erreichen kannst. Hier geht es um den wildesten Sinn. Es ist der, der bei Dir selbst individuell am aktivsten ist. Konzentrieren Dich darauf, diesen Sinn nach und nach zu zügeln. Gelingt Dir dies, kannst Du den nächsten Sinn in Deine Praxis hinzunehmen. Mit Gewalt geht dabei gar nichts. Wichtig ist, dass das Zurückziehen der Sinne auf sanfte Weise zu tun, um den Geist nicht darauf aufmerksam zu machen und wieder zu fokussieren.

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Raja Yoga – die acht Stufen des königlichen Yoga

Raja Yoga - die acht Stufen des königlichen Yoga
Raja Yoga – die acht Stufen des königlichen Yoga

Raja Yoga sind die acht Stufen des königlichen Yogas, welche sich wiederum vom achtgliedrigen Pfad ableiten. Niedergeschrieben wurden sie bereits vor rund 2.000 Jahren von Rishi Patanjali. Sie bilden die Grundlage für das Raja-Yoga und wurden im Westen erst im 20. Jahrhundert aus bis dato geheim gehaltenen Schriften offenbart. Alternativ werden die acht Stufen gern auch als Ashtangas bezeichnet. „Ashta“ steht stellvertretend für die Zahl acht, „Anga“ hingegen steht für Teile beziehungsweise Glieder. Sie spiegeln eine fortlaufende Kette von Disziplinen beziehungsweise Schritten wider, welche den Körper und Geist reinigen sollen. Das Ziel der acht Stufen ist es, am Ende die eigene Erleuchtung zu finden.

Die ersten vier Stufen mit ihrer Beschreibung im Überblick

Die erste Stufe YAMA enthält fünf Enthaltungen beziehungsweise moralische Verbote, darunter beispielsweise, dass niemand in böser Absicht töten oder jemanden verletzen soll. Außerdem sollen Unwahrheiten gemieden, kein Diebstahl begangen und Enthaltsamkeit geübt werden, während keine Geschenke anzunehmen sind. Im übertragenen Sinne widmet sich YAMA dem Verhältnis vom Mensch zu anderen Menschen und seiner Umwelt.

In der zweiten Stufe, als NIYAMA bezeichnet, werden fünf Verhaltensregeln aufgeführt, die alternativ auch als moralische Gebote verstanden werden können. In dieser Stufe geht es um das Verhältnis zu sich selbst, so beispielsweise über eine seelische, geistige und physische Läuterung und eine generelle Zufriedenheit. Weiterhin soll der Mensch eine geistige Disziplin erlangen und diese mit Strenge zu sich selbst Tag für Tag üben. Lehren bedeutet im Yoga zudem auch verstehen, weshalb eine weitere Facette das Studium und die Weiterbildung umfasst. Der eigene Egoismus soll aufgegeben werden.

Die dritte Stufe vom Raja Yoga ist das ASANA, auch als die rechte Meditationshaltung bezeichnet. Es gibt sehr viele verschiedene Asanas, an erster Stelle steht aber eine bequeme und stabile Haltung, die es dem Menschen erlaubt in sich zu gehen und seine eigene Tiefe zu erkunden. Gemeint sind auch die Reinigung beziehungsweise Schulung vom eigenen Körper, was wiederum durch verschiedene Yogastellungen erreicht wird. Die Stufe ASANA vom Raja Yoga ist mit Sicherheit die, die die meisten Menschen mit Yoga verbinden, da es sich hierbei um die Bewegungen und Übungen handelt.

Die vierte Stufe vom Raja Yoga ist zugleich die erste Stufe vom Kriya Yoga: PRANAYAMA. Hier geht es um die Beherrschung der eigenen Lebensenergie. Gemeint ist vor allem eine Atemkontrolle, welche bei allen Yogaübungen eine elementare Rolle einnimmt. Ziel einer kontrollierten Atmung ist die eigene Lebensenergie zu beherrschen und damit Geist und Körper durch ausgewählte Atemübungen zusammenzuführen. Durch Achtsamkeit und beständiges Üben soll die Atmung einerseits vertieft und andererseits reguliert werden.

Die weiteren vier Stufen vom Raja Yoga

Die fünfte Stufe wird als PRATYAHARA bezeichnet und steht stellvertretend für die Verinnerlichung. Die Sinne sollen sich zurückziehen, wodurch die Aufmerksamkeit auf das Selbst gelenkt wird. Man leitet seine Sinne also auf sich selber um, um näher in Kontakt mit seinem Körper und Geist zu treten. Auch das ist nachweislich bei vielen Yoga-Übungen und ihren Lehren ein elementarer Faktor, da es sich beim Yoga keinesfalls „nur“ um spezifische Übungen und eine kontrollierte Atmung handelt.

Als DHARANA wird die sechste Stufe vom Raja Yoga bezeichnet. Im übertragenen Sinne kann diese Stufe beziehungsweise Bezeichnung für die eigene Konzentration stehen. Ziel ist es die eigene geistige Energie auf einen spezifischen, im Vorfeld ausgewählten Punkt zu lenken und sich darauf für eine gewisse Zeit zu fokussieren. In den Schriften wird dieser Schritt vom Raja Yoga auch als die Sammlung beziehungsweise das Gebet bezeichnet. Schüler vom Yoga sollen ihre Aufmerksamkeit unter anderem auf das dritte Auge beziehungsweise das Herz-Chakra lenken.

Die siebte Stufe vom Raja Yoga wird als das DHYANA bezeichnet und steht für die Verbindung beziehungsweise die Meditation. Beim Yoga soll die Aufmerksamkeit in einen Fluss gelenkt werden, welcher im Hier und Jetzt, nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft stattfindet. So sollen sich Menschen beim Yoga auf das Aktuelle fokussieren und sich damit zugleich der Last des Vergangenen und des Künftigen entledigen.

Die letzte und achte Stufe vom Raja Yoga bezeichnet man als SAMADHI, was wiederum für die Verschmelzung steht. Das Alltagsbewusstsein, das Bekannte und das Typische soll abgelegt werden, um sich selber zu überwinden, in eine völlig neue Dimension des Seins einzutreten, welche fortan den Zustand ausmacht. Mit dieser Stufe sind die acht Stufen vom königlichen Yoga zugleich abgeschlossen.

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