Achtsamkeit lernen durch Yoga

Achtsamkeit lernen durch Yoga
Achtsamkeit lernen durch Yoga

Achtsam sein ist eine Kunst, die uns ganz zu uns zurückholt. Oft sind wir mit einer Sache beschäftigt und denken schon an zwei, drei andere. In unserer hektischen Welt ist Multitasking der Begriff schlechthin für einen perfekt organisierten Menschen, der mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen hält und meist auch erfolgreich abschließt. Im Kopf haben wir Bilder von Menschen, die die Straße entlang eilen, das Handy am Ohr halten, jemandem winken und schon an die ersten Aufgaben in der Firma denken.

Nach fernöstlichen Erkenntnissen ist dies allerdings nicht der Weg zu einem erfolgreichen Leben; und zwar aus dem einfachen Grund, weil mehr nicht immer besser ist, weil materieller Erfolg nicht wirklich zufrieden macht und weil solche Personen sich aufreiben, während ihnen das eigentlich Wichtige im Leben entgeht: sie selbst und die wahre Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Ganz nebenbei steht es außer Frage, dass solch ein Leben mit mehr Stress und damit auch mit mehr Gefahren für Leib und Leben verbunden ist: Schlaganfälle und Herzinfarkte sind wahrscheinlicher als bei jemandem, der sehr achtsam lebt.

Langsam lernen

Wer die Achtsamkeit schon einmal ausprobiert hat, weiß, dass es gar nicht so einfach ist: Klassisches Beispiel ist das Essen einer einzelnen Rosine. Erst wird sie genau betrachtet, dann mit den Fingern erspürt, zur Nase geführt und berochen, dann in den Mund geschoben, beleckt, gefühlt, ausgekundschaftet, dann zerbissen und sehr lange gekaut, um die unterschiedlichen Geschmacksnuancen herauszulesen. Wem das zu aufwendig ist, der kann es natürlich auch einfach mit seinen täglichen Arbeiten versuchen: sich bewusst die Zähne putzen, waschen und anziehen, später den Kaffee einschenken, trinken und so weiter.
Es geht darum, ganz bei der jeweiligen Handlung zu bleiben und nicht gedanklich abzuschweifen; sich nicht die Schuhe anzuziehen und schon mit einem Bein aus der Tür zu sein; nicht die Mail zu beantworten und bereits in Gedanken die Unterlagen für die kommende Sitzung zusammenzustellen; nicht auf der Yogamatte zu üben und sich bereits das Outfit für die Party zu überlegen.

Interessanterweise ist die fernöstliche Kunst ebenso einfach wie schwierig. Wir können unmöglich mehr als einen Gedanken denken, selbst wenn es nur Millisekunden Abstand zwischen diesem und jenem sind; und wir können immer nur eine Handlung ausführen: Es ist nicht machbar, das Baby anzuziehen und dem Großen die Schuhe zu binden; im Topf zu rühren und den Wasserkocher zu füllen; mit dem Kollegen zu reden und dem Chef zu antworten – es geht immer nur eins nach dem anderen, selbst wenn wir unglaublich schnell arbeiten und reagieren können. Beobachte dich selbst einmal und überzeuge dich von der Wahrheit dieser Aussage.
Insofern ist jeder Versuch, viele Dinge parallel zu tun, stets zum Scheitern verurteilt. Ist es dann nicht viel besser, eine Sache nach der anderen zu erledigen und dabei ganz konzentriert zu sein? Die Qualität der Einzelergebnisse wird dabei eindeutig besser – und dies ist ein weiterer Grund, die oft hektische Mehrfacharbeit zu lassen. Außerdem ist mehr Ruhe sicher gesundheitsfördernd.

Yoga lehrt den Weg

Die Yogaübungen zeigen uns, wie es geht: Wir können nur eine nach der anderen ausführen und müssen, damit sie gelingen, sehr genau arbeiten. Wir konzentrieren uns ganz auf das Geschehen, auf Becken-, Fuß- oder Rückenstellung, auf Kopfhaltung, Atmung und Gleichgewicht. Die entspannenden Momente wie das Loslassen der Gedanken oder die Toter-Mann-Stellung führen uns ebenfalls zu dem Moment, wo nichts anderes wichtig ist; es gibt nur diesen Augenblick, dieses Vorhaben, diese Übung. Der Rest der Welt ist ausgeblendet. So können wir auch im Alltag agieren: konzentriert Auto fahren, Brote schmieren oder sich auf das Gespräch mit dem Gegenüber konzentrieren. So wird beispielsweise aktives Zuhören möglich.

Probiere selbst, Alltagshandlungen anders auszuführen, und erlebe den Unterschied!

Bild © kraho / 123rf.com

[Gesamt:3    Durchschnitt: 3.7/5]

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.