Yoga als Therapie

Yoga als Therapie
Yoga als Therapie

Ob psychisch oder physisch: Schwere Krankheiten ziehen uns erst einmal den Boden unter den Füßen weg. Wer nicht von Geburt an behindert ist und diesen Zustand kennt, sondern aus dem prallen Arbeits- und Privatleben herausgerissen wird, muss sich vollkommen neu orientieren. Manche Unternehmungen und Bewegungen sind vielleicht nicht mehr machbar, andere müssen neu angefangen und erlernt werden. Ein Unfall bringt sichtbare Verletzungen, ein schwer zu verkraftender Schicksalsschlag sorgt für inneren Schmerz – beides steht gleichberechtigt nebeneinander, denn Leid ist immer auch eine individuelle Angelegenheit: Womit der eine nach einiger Zeit recht gut klarkommt, kann den anderen für den Rest seines Lebens aus der Bahn werfen.

Konzentration gegen das Gedankenkarussell

Yoga kann in vielen Fällen helfen. Die Übungen (Asanas, Atemtraining, Meditation) werden konzentriert auf einer einfachen Matte beziehungsweise einem schicken Meditationskissen ausgeführt, der angehende Yogi ist ganz bei sich und vergisst für eine Weile die Welt um sich herum. Diese Konzentration hält vom Grübeln ab: ein wichtiger Punkt nicht nur bei psychischen Problemen. Jeder Gesunde erfährt diese heilsame Kraft, wenn sich die Gedanken sammeln und nicht wie wilde Pferde umherspringen – vor allem bringt dieses Herumspringen nichts, es führt nur sehr selten zu brauchbaren Lebenslösungen, verursacht aber einen unglaublichen Stress; und dieser wiederum ist für den Körper ein zusätzliches Übel.

Gerade diese Erdung, das innere Loslassen und die Ruhe, die in den kraftvollen Übungen liegen (körperliche wie geistige Kraft), bringen den Körper in Einklang mit sich selbst. Geist und Seele entspannen, die Alltagsprobleme verlieren für eine gewisse Zeit ihre Bedeutung – im besten Fall für längere Zeit. Lassen wir uns darauf ein, können wir dauerhaften Frieden finden, selbst wenn unsere Lebensumstände nicht (mehr) so sind, wie wir sie gern hätten. Ein Singledasein kann manchen Menschen ebenso unglücklich machen wie ein Leben im Rollstuhl: Wir sollten daher keine Situation mit der anderen vergleichen oder sie werten, denn Unglück kann für jeden etwas anderes bedeuten.

So findet auch jeder seinen eigenen Zugang zu Yoga: Der eine besucht einen Kurs, der andere lernt es von einem Freund, der Dritte kennt sich schon etwas aus und schaut sich seine Bücher oder DVDs noch einmal genauer an. Mancher trainiert am Morgen, wenn der Rest der Welt noch schläft, der andere versucht es lieber in der Stunde zwischen Feierabend und Abendnachrichten. Vielleicht teilst du dein Yogaprogramm auch auf und startest morgens lieber mit einer Kerze; dafür gönnst du dir abends bequeme Kleidung und eine Matte in deiner Lieblingsfarbe.

Therapeutisch-professionelles Yoga

Übrigens gibt es Ärzte, die auch in Yogatherapie ausgebildet sind. Solche Fachleute verbinden das westliche Wissen mit den östlichen Heilkräften. Sie arbeiten ganzheitlich, ein Trend, der sich glücklicherweise auch bei uns immer mehr durchsetzt. Häufig finden sich hier auch Ayurveda-Angebote und Ähnliches. Es geht nicht nur darum, rasch ein Medikament für eine bestimmte Erkrankung zu verordnen; das hat sich ja schon häufig als kurzfristige, aber nicht langfristige Lösung erwiesen. Sicher ist: Der Körper wird nicht gesunden, wenn der Geist dagegen arbeitet; und der Geist wird nicht auf Dauer ruhig, wenn die Seele erkrankt ist.
Yoga wird weiterhin von Yogatherapeuten eingesetzt, ähnlich den Physiotherapien. Die Trainer sind häufig Yogalehrer, die eine Zusatzausbildung absolviert haben. Es geht darum, Übungen zu finden, die für den Patienten individuell passen. Dabei werden ebenfalls Körper, Geist und Seele einbezogen.
Nicht zuletzt gibt es auch die Kurskombination Yoga und Psychotherapie für engagierte Therapeuten.

Yoga kann also als Vorbeugung gegen das Ausbrechen von Krankheiten, als Begleiter des Heilprozesses und als Dauerunterstützung für psychische wie physische Leiden eingesetzt werden. Der Versuch lohnt sich bestimmt, denn neben einer besseren Konstitution sind die Trainingszeiten auch friedliche Momente für dich selbst. Und wer braucht so etwas nicht?

Bild © yommy8008 / 123rf.com

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