Yoga und Veganismus: Muss ein Yogi vegan sein?

Du triffst auf Yogis und schaust auf deren Teller. Was bemerkst Du? Meist eine vegetarische und oft sogar vegane Ernährung. Warum entscheiden sich so viele Yoga-Liebhaber für diesen Lebensstil? Stecken dahinter nur gesundheitliche Gründe oder auch ethische? All diese Fragen klären wir in diesem Beitrag. Also sei gespannt.

Yoga und veganes Leben: gewaltfrei und bewusst

Wer sich täglich mit der Yoga-Praxis beschäftigt, wird sich irgendwann die Frage stellen, wie man in den Alltag Achtsamkeit, Bewusstsein, Gesundheit und Wachstum einladen kann.

Um sich auf den Weg zur Erleuchtung zu begeben, reicht es nicht aus, nur am Yoga-Boom teilzunehmen und Hatha, Vinyasa oder andere Yoga-Stile auszuüben. Neben den Asanas gelten andere Verhaltensweisen als das A und O, um spirituell zu wachsen.

1. Die Gewaltlosigkeit (Ahimsa) spielt eine bedeutende Rolle.

„ahimsa pratishthayam tatsannidhau vairatyagah” – dieser Satz bedeutet so viel wie “Wer gewaltlos denkt, spricht und handelt, schafft ein friedliches Umfeld”.

Demnach ist es nicht nur bedeutend, im Außen friedlich zu sein (zum Beispiel sich vegan zu ernähren), sondern im Alltag liebevoll mit uns selbst und anderen zu sein.

2. Ein nächster wichtiger Punkt ist die Reinheit (Saucha).

„sautchat sva-anga jugupsa paraih asamsargah“ – diese Worte bedeuten: Wer sich innerlich und äußerlich reinigt, macht sich frei von der Beeinflussung von außen (durch Dinge oder Menschen)

Es ist wichtig, dass Du Dich auf allen Ebenen reinigst: regelmäßiges Duschen, die Benutzung eines Zungenschabers sowie die innere Reinheit, die wir durch das Zuführen von äußeren Dingen missachten oder verletzen können (ein schlechter Film, ein blödes Gespräch oder tierische Produkte).

Müssen Yogis vegan leben?

Die zwingende Antwort auf diese Frage lautet “Nein nicht unbedingt” – auch wenn diese zwei Sutren, die wir oben vorgestellt haben, darauf hinweisen, dass Gewaltmissbrauch nichts bringt – auf keiner Ebene. Massentierhaltungen, schlechte Arbeitsbedingungen usw. sollten nicht unterstützt werden.

Dennoch gilt: Jeder Mensch, somit auch jeder, der Yoga liebt, darf sich so ernähren, wie er möchte. Auch die Aussagen von Experten bestätigen diese Annahme. So gibt es verschiedene Ansichten diverser Gurus. Während die einen darauf appellieren, einen ethisch möglichst korrekten Lebensstil zu führen (und damit geht einher, keine tierischen Produkte zu essen), betonen andere, dass der Verzehr von Fleisch an sich kein Problem ist.

Der Guru B. K. S. Iyengar beispielsweise erklärt, dass die Entscheidung, ob jemand Fleisch isst oder nicht, auch von seiner Herkunft abhängt. Je nach Land, in dem der Mensch geboren ist, unterscheidet sich dies drastisch. Er schrieb in seinem Werk “Licht auf Yoga”, dass die innere Gewaltbereitschaft ein Zustand im Geist ist und nicht davon abhängt, ob der Mensch Fleisch isst oder nicht. Demnach musst Du Dir keine Sorgen machen, wenn Du regelmäßig Asanas auf Deiner Matte übst, aber Fleisch, Milch, Fisch und Eier verzehrst. Dennoch kann es passieren, dass Du mit der Zeit Deine Ernährung umstellst. Das liegt daran, dass so die geistige Entwicklung deutlich besser voranschreiten kann.

Für andere Gurus ist der vegane Lebensstil eine Voraussetzung, um im Sinne der alten Yoga-Lehre zu handeln. So wird betont, dass der größte Schmerz sowie das größte Leid über die bewusste Entscheidung, was auf dem Teller landet, verhindert werden kann.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass veganes Essen erstrebenswert ist – dennoch passt diese nicht für alle Menschen und daher nicht für jeden Yogi. Das Wichtigste ist, auf die eigene Gesundheit zu achten sowie Mitgefühl für sich und für andere zu haben.

Ist die vegane Ernährung gesund?

In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, ob eine tierleidfreie Ernährung ohne Milch, ohne Eier, ohne Fleisch, ohne Fisch für den Körper gesund ist.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es die Möglichkeit, sich in gewissen Lebensstadien vegan zu ernähren. Als Schwangere, stillende Frau oder als Kind sollte besondere Vorsicht geboten sein. Grundsätzlich ist es jedoch möglich, weil sich bereits viele Frauen in der Schwangerschaft rein pflanzlich ernähren und auch das Kind ohne Lebensmittel vom Tier aufwachsen lassen – und das bei bester Gesundheit.

Wichtig: Jeder Mensch, egal, ob vegan, vegetarisch oder omnivor, sollte seine Blutwerte regelmäßig prüfen lassen. So kann ausgeschlossen werden, dass ein Mangel vorherrscht. Vor allem Vitamin B12 und D3 sollten im Falle einer zu niedrigen Dosierung im Blut supplementiert werden. Im Alltag ist es manchmal schwierig, Vitamin D3 aufzunehmen. Hierbei handelt es sich eigentlich um ein Hormon, das durch die Sonne aufgenommen werden kann. Im Winter ist die Produktion in unseren Breitengraden nicht möglich. Deshalb empfiehlt es sich in dieser Saison, die Blutwerte kontrollieren zu lassen und sich im Bedarfsfall nach einem hochwertigen Präparat umzusehen. Vitamin B12 hingegen wird durch den Verzehr von Fleisch aufgenommen, da Kühe dies auch supplementiert bekommen. Der Weg über das Lebewesen muss für Veganer jedoch nicht sein – es geht auch pflanzlich.

Andere kritische Nährstoffe sind: Jod, Zink, Selen, Omega 3 oder Eisen. Hier sollte auf den Konsum von folgenden Lebensmitteln geachtet werden:

  • Jod kommt in Algen vor (Norialgen vom Sushi)
  • Zink kann durch den Verzehr von Haferflocken oder Kürbiskernen zugeführt werden.
  • Selen ist in Paranüssen enthalten
  • Omega 3 kann durch Leinsamen, Chiasamen oder Walnüsse aufgenommen werden.
  • Eisen ist in grünem Blattgemüse oder Tahini enthalten.

Oftmals werden auch Proteine als kritisch angesehen: Bei einer normalen ausgewogenen pflanzlichen Kost mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte sowie Nüsse und Samen stellt dies jedoch kein Problem dar. Auch für all die anderen Nährstoffe sollten täglich diese Lebensmittel auf dem Tisch landen – zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Warum schaden tierische Produkte dem Menschen?

Die Yoga-Lehrer haben viele verschiedene Ansichten und Meinungen zur veganen Ernährung. Dennoch sind einige Punkte klar. Wer ein rein pflanzliches Rezept mit vollwertigen Zutaten kocht, tut seiner Gesundheit etwas Gutes. Wenn Du hingegen Fleisch oder andere tierische Produkte isst, nimmst Du neben Hormonen (die den Tieren zugefügt wurden), auch den Stress sowie die Angst auf (vom Moment, in dem es geschlachtet oder die Zeit, in der es schlecht behandelt wurde). Dies sollte unbedingt berücksichtigt werden.

Auch die Milch beinhaltet zahlreiche Hormone, die für den Mensch nicht gesund und nicht notwendig sind. Die Milch ist für das Kälbchen bestimmt, nicht für eine fremde Rasse.

Außerdem enthalten tierische Lebensmittel einen hohen Anteil an ungesunden tierischen Fettsäuren, die nicht wohltuend für den Körper sind.

Was ist der richtige Weg für Dich?

Nun hast Du einen großen Überblick über die verschiedenen Punkte von Yoga und Veganismus gehört. Am Ende musst Du entscheiden, was für Dich richtig ist.

Auf dem Weg dahin darfst Du Dich ausprobieren und genau den Mittelweg finden, der Deiner Natur entspricht. Vielleicht bedeutet dies zu Beginn noch etwas tierische Produkte zu essen.

Folgende Tipps können helfen:

  • Melde Dich für ein Yoga-Retreat oder für eine Auszeit im Yoga-Urlaub an. Hier kannst Du eine große Bandbreite an veganen Köstlichkeiten kennenlernen sowie tief in die Lehre von Yoga eintauchen. Damit erschaffst Du eine Basis, um Dich frei zu entscheiden, wie Du leben möchtest.
  • Die tägliche Meditation auf Deinem Lieblingskissen sollte zur Alltagsroutine gehören. Hier kannst Du lernen, Deine innere Stimme besser kennenzulernen. Auch die Yogapraxis hilft Dir dabei.
  • Probiere die pflanzliche Ernährung mit tollen Superfood-Rezepten aus und schaue, wie Du Dich damit fühlst. Ist Dein Geist klarer? Wie fühlt sich Dein Körper an? Ayurveda könnte Dich hierbei inspirieren.

Hast Du Dich bereits mit veganer Ernährung beschäftigt? Ernährst Du Dich vegan und praktizierst Du täglich Yoga-Übungen?

Stefan ist seit vielen Jahren begeisterter Yogaanhänger.

Er ist der festen Überzeugung, dass Yoga dabei hilft, dass die Menschen wieder zu sich selber finden und friedlicher werden.

Durch Yoga wird unsere Welt eine bessere.