Bhakti Yoga – Der Weg des Herzens

Bhakti Yoga - Der Weg des Herzens
Bhakti Yoga – Der Weg des Herzens

Bhakti Yoga ist einer der vier wichtigsten spirituellen Pfade im Yoga, bei dem es um Liebe und Hingabe als Weg zur Selbstverwirklichung geht. Diese Liebe richtet sich an Gott und das universelle Göttliche und hat die Erfahrung der Einheit zum Ziel, um zur höchsten Wirklichkeit zu gelangen. Das Prinzip von Bhakti Yoga ist in vielen Religionen und spirituellen Ausrichtungen zu finden. Um die Qualitäten von Bhakti zu entwickeln, bedarf es keine besonderen Fähigkeiten. Lediglich die Entscheidung, sich dem Göttlichen zu öffnen und der Wille, mit einem offenen Herzen ohne selbstsüchtige Erwartung zu praktizieren, ist Voraussetzung für Bhakti Yoga.

Die Arten von Bhakti

Bei Bhakti wird zwischen Apara Bhakti und Para Bhakti unterschieden. Der Anfänger praktiziert Apara Bhakti, eine niedrige Form von Bhakti, bei dem er Zeremonien und Rituale ausführt. Denn bei Apara Bhakti gilt das Herz des Praktizierenden noch nicht so weit, um mit den Geheimnissen für Fortgeschrittene vertraut zu werden. Als Anhänger einer Religionsgemeinschaft sieht der Bhakti-Anfänger auf andere Religionen herab. Para Bhakti Yoga hingegen umfasst alles und schließt alle mit ein. Die Liebe, die der Para Yoga-Praktizierende empfindet, besitzt kosmische Dimensionen. Für ihn ist die ganze Welt ein Garten Gottes, weshalb er keinen Gottesdienst und keinen Tempel mehr benötigt. Denn er sieht die Manifestation Gottes in jedem Detail. Die allumfassende Liebe des Para-Praktizierenden geht so weit, dass er keinen Ekel vor Schmutz, Fäkalien und anderen ekelerregenden Dingen empfindet. Bhakti Yoga in seiner höheren Form führt also zu einer erhabenen Einstellung, die durch allumfassende Liebe und Hingabe das Göttliche in allem empfinden lässt.

Bhakti Yoga als der letzte der sechs Yogawege

Nach Swami Sivananda ist Bhakti Yoga ein Teil des integralen Yoga, das insgesamt sechs Yogawege umfasst. Hatha-Yoga, bei dem es um positives Denken, Meditation und Tiefenentspannung hervorgerufen durch Asanas und Pranayama geht, ist der erste Schritt auf dem Weg zur vollkommenen Selbsthingabe an das Göttliche und das höhere Selbst. Der zweite Weg besteht aus Raja-Yoga, der Beherrschung des Geistes. Darauf folgt Jnana-Yoga, bei dem es um die Schulung von Weisheit und die Erfahrung von Erkenntnis geht. Kundalini-Yoga, das Yoga der Energie, ist der vierte Yogaweg, kurz vor dem selbstlosen Dienst, auch Karma-Yoga genannt. Erst dann folgt Bhakti Yoga, dem Yoga der vollkommenen Liebe und der Hingabe. Teil dieses Yogas sind Rituale wie Homas oder Pujas sowie ein Satsang, der in Ashrams immer morgens und abends stattfindet. Zur Praxis gehören auch Mantras und das Jaya Ganesha, bei denen verschiedene göttliche Kräfte und Aspekte angerufen werden.

Bhakti Yoga in der Praxis: die 9 Techniken

Die neun Techniken von Bhakti Yoga werden in einer der bedeutendsten Schriften über Bhakti Yoga, der Bhagavatam, wie folgt beschrieben:

  1. Sravana: Theoretische Bildung durch das Lesen und Studieren von heiligen Schriften und das Hören spiritueller Erzählungen.
  2. Kirtana: Gebete und heilige Namen in Form von Mantras und Bhajans singen, um den Geist zu zentrieren und sich energetisch aufzuladen.
  3. Smarana: Sich der göttlichen Gegenwart bewusst werden, einerseits im Alltag, wenn man etwas Schönes entdeckt und auch durch das Wiederholen von Mantras.
  4. Vandana: Dabei geht es um das Verneigen einer Autorität, die entweder im spirituellen Lehrer oder in einer Gottheit gefunden werden kann, als Geste der Einladung in das eigene Leben und als demütigen und wertschätzenden Ausdruck der inneren Haltung.
  5. Padasevana: Dies bedeutet, einen Altar zu Hause zu haben und ihn zu pflegen, um zu Füßen Gottes zu dienen.
  6. Archana: Bei Archana geht man einen Schritt weiter und praktiziert eine rituelle Gottesverehrung, indem Opfergaben dargebracht werden, zumeist mit Ritualen wie Pujas und Homas.
  7. Dasya: Dabei wird das Dienen einer höheren Wirklichkeit geübt und gelebt, wobei unsere Handlungen auch anderen Menschen dienlich sein können.
  8. Sakhya: Die Praxis, eine Freundschaft zu Gott zu entwickeln.
  9. Atmanivedana: Die letzte beschriebene Technik von Bhakti Yoga ist die vollkommene Selbsthingabe an das Göttliche und das höhere Selbst.

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