Yama Sittenlehre: Die fünf Yama-Stufen

Yama Sittenlehre: Die fünf Yama-Stufen
Yama Sittenlehre: Die fünf Yama-Stufen

Der Begriff „Yama“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt so viel wie „Selbstkontrolle“ und „Enthaltung“. Bei Yama handelt es sich um einen Verhaltenskodex und die erste Stufe des Raja Yoga, der noch sieben weitere Stufen folgen.

Durch Yama ist es möglich, die Persönlichkeit weiterzuentwickeln, wobei fünf Yama-Stufen beschrieben werden: Ahimsa, Satya, Asteya sowie Brahmacarya und Aparigraha. De facto handelt es sich um eine Art Sittenlehre, in der diejenigen Normen und Regeln zusammengefasst sind, die für das (zwischen-)menschliche Handeln Relevanz besitzen. Die fünf Yamas helfen, ein Leben in Balance und Harmonie zu führen und werden im Folgenden näher erläutert.

Ahimsa (Nichtverletzen, Gewaltlosigkeit)

Das Wort „Himsa“ bedeutet aus dem Sanskrit ins Deutsche übertragen „Grausamkeit“ oder „Gewalt“. Bei „Ahimsa“, handelt es sich um das Antonym, es kann mit „Nicht-Gewalt“ übersetzt werden. Allerdings geht die Bedeutung des Wortes über die Abwesenheit von Gewalt hinaus. Im Allgemein werden unter Ahimsa Freundlichkeit, Rücksichtnahme und Zugewandtheit subsumiert, wobei ein wohlüberlegter und verantwortungsbewusster Umgang sich selbst und allen anderen Lebewesen gegenüber impliziert wird. Ahimsa ist allerdings nicht so zu verstehen, dass sich eine Person im Falle eines Angriffes nicht verteidigen sollte oder dürfte. Zudem bezieht sich Ahimsa auch nicht auf eine übersteigerte Friedfertigkeit im Rahmen derer das Töten kleinster Lebewesen verboten ist. So könnten Angehörige des Raja-Yoga – anders als einige buddhistische Mönche – beispielsweise Gartenarbeiten durchführen, bei denen Kleinstlebewesen wie Würmer oder Insekten zu Tode kommen.

Wichtig ist stattdessen, dass Ahimsa in Taten, Worten und Gedanken praktiziert wird. Mit anderen Worten: Es sollte nicht schlecht über andere Menschen gesprochen oder gedacht werden, denn dies hätte sowohl für den Sprechenden oder Denkenden selbst als auch für die Person, über die schlecht geredet oder gedacht wird, negative Konsequenzen.

Darüber hinaus bezieht sich Ahimsa auf die Überwindung des Wunsches zu töten. Dies impliziert auch eine vegetarische Ernährung, denn das Erlangen der Erkenntnis, dass allem Leben gemeinsame Wurzeln zugrundeliegen, beinhaltet den Verzicht auf Gewaltanwendung gegenüber anderen Lebewesen. Zudem wird hierdurch das Lebensprinzip im Allgemeinen und das eigene Sein im Besonderen anerkannt.

Satya (Wahrheit, Wahrhaftigkeit)

Das Wort „Satya“ bedeutet so viel wie „Wahrheit“ oder „Wahrhaftigkeit“, wobei sich Satya auf Gedanken, Taten und Worte bezieht und darauf abzielt, dass immer die Wahrheit gesagt, getan und gedacht wird. Wer die Stufe Satya erreicht hat, lebt wahrhaftig und aufrichtig. Das Gebot stets die Wahrheit zu sagen, kann natürlich mit dem Gebot der Ahimsa-Stufe, nämlich nicht zu verletzen, konfligieren. Mit anderen Worten: Obschon die Wahrheit gesagt werden sollte, kann durch diese eine andere Person verletzt werden, so dass der innere Wunsch besteht, sich nicht an das Satya-Gebot zu halten. In Bezug auf diesen Konflikt im Yama-Verhaltenskodex wird dem Nichtverletzen die höhere Priorität zugesprochen, so dass es teils geboten sein kann, zu schweigen.

Asteya (Nichtstehlen)

Während der Begriff „Steya“ mit „Diebstahl“ übersetzt werden kann, handelt es sich bei „Asteya“ abermals um das Antonym, das Wort bedeutet also das Gegenteil und impliziert, dass sich niemand etwas nehmen sollte, was ihm nicht gehört bzw. gegeben wurde. Asteya gilt sowohl für geistiges als auch materielles Eigentum.

Brahmacarya (Selbstbeherrschung)

Bei Brahmacarya handelt es sich um die Reinheit von Taten, Worten und Gedanken, wobei die Stufe die Konzentration auf das Wesentliche bzw. die Bewegung auf dieses hin, beinhaltet . In manchen Interpretationen wird Brahmacarya als die Enthaltsamkeit vor Gott beschrieben. Eine Person sollte unbefleckt und rein mit der Welt interagieren. Dies gelingt durch die Ausrichtung auf das Wesentliche. Dies wiederum ist förderlich, wenn nach höheren Weisheiten gestrebt wird.

Aparigraha (Anspruchslosigkeit)

Das Wort „Aparigraha“ kann mit „Nicht-Zugreifen“ übersetzt werden, wobei gemeint ist, dass eine Person sich von allem nur so viel nehmen sollte, wie sie wirklich benötigt. Das Gebot beinhaltet zudem, dass keine anderen Menschen ausgenutzt werden sollten, sich eine Person nicht in Abhängigkeiten begeben sollte und auch nichts anhäufen. Entsprechend sollte Raffgier unbedingt vermieden werden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die fünf Yamas die Basis des menschlichen Handelns bilden. Jeder Mensch sollte sich jeden Tag jedes Yama vergegenwärtigen und darin üben.

Bild © koldunov / 123rf.com

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