Samasthiti: Gebet in aufrechter Haltung

Samasthiti: Gebet in aufrechter Haltung
Samasthiti: Gebet in aufrechter Haltung

Einfach nur gerade stehen? Für viele, die Yoga nicht üben erst oder erst am Anfang ihrer Praxis stehen, ist es auf den ersten Blick schwer zu verstehen, dass es sich bei Samasthiti, der aufrechten Haltung, tatsächlich um eine Asana handelt. Und doch gehört sie zu den wichtigsten Haltungen überhaupt. Als Gebetshaltung oder achtsamer Stand im Yoga bekannt ist die aufrechte Haltung mit äußerem Gleichgewicht und innerer Balance gleichsam verknüpft. Der aufrechte Stand verwurzelt Dich mit der Erde und richtet Dich gleichzeitig nach oben, zum Höchsten aus. Hier erfährst Du, was bei Samasthiti wichtig ist und mit welchen Wirkungen diese Asana verbunden ist.

Aufrecht stehen: in allen Kulturen und Medizinrichtungen wichtig

Der bewusst und aufrechte Stand ist in seinem Wert auf der ganzen Welt unbestritten. In der Schulmedizin ist die aufrechte Haltung ein wichtiger Faktor für die Gesundheit der Wirbelsäule, eine leistungsfähige Muskulatur sowie die Funktion vieler innerer Organe. In der Psychologie sagt allein die Haltung eines Menschen viel über dessen seelischen Zustand aus und in der chinesischen Heiltradition sind die Meridiane nur im Fluss, wenn der Körper in einer aufrechten, nicht blockierten Haltung sein darf. Auch wenn Du Dir die Shakren des menschlichen Körpers einmal auf einem Schaubild in ihrer natürlichen Anordnung ansiehst, wirst Du feststellen, dass diese wie Perlen an einer Schnur gerade übereinander stehen. Gute Gründe also, sich auch im Yoga der aufrechten Haltung zu widmen und Samasthiti in die regelmäßige Übungspraxis einzuflechten.

Samasthiti: der aufrechte Stand im Blick

Wie sieht Samasthiti eigentlich aus, wenn die Haltung korrekt ist? Der Anfang von allem ist die feste Verwurzelung mit der Erde, die Dich immer trägt und wo Deine Wurzeln liegen. Stehe mit geschlossenen Füßen auf dem Boden und mach Dir diese Verwurzelung auch bewusst. Sie gibt Dir Sicherheit und ist Dein Fels, wenn es um Dich herum hektisch und unruhig wird. Du intensivierst Deinen Stand, wenn Du Deine Zehen einmal kurz von der Unterlage abhebst, weit auffächerst und dann wieder auf dem Boden erdest.

Stehe aufrecht und habe das Gefühl, dass Dein Scheitel zum Höchsten als Deinem immerwährenden Schutz strebt. So bringst Du Länge in Deinen gesamten Körper, die das erreicht, was wir in Samasthiti erzielen wollen: Alles ist im Fluss. So erfährst Du Gleichgewicht dass sich nicht nur auf Deine äußere Haltung bezieht, sondern auch auf Dein Innerstes und natürlich Deinen Atem.

Achtung: nicht verkrampfen!

Viele Yogaschüler machen zu Beginn ihrer Samasthiti-Praxis den Fehler, dass sie sich auf alle ihre Glieder auf einmal konzentrieren möchten und auf diese Weise zu große Anspannung in diese Haltung legen. Dies ist nur verständlich, weil es sich beim aufrechten Stand um eine Haltung handelt, die im Grunde wirklich den gesamten Körper umfasst. Dennoch kannst Du auch mit einer gewissen Gelassenheit an Samasthiti herangehen. Einige Faktoren sind es, die Du beachten kannst, um einer Verkrampfung zu entgehen. Dies ist eng mit Deiner Achtsamkeit in Bezug auf Deinen Körper verbunden.

Zunächst ist wichtig, dass Du Deine Kniegelenke nicht ganz durchdrückst, sondern auf einen lockeren Stand achtest. Das gilt auch für die Streckung der Wirbelsäule, die die natürlichen Krümmungen noch zulassen soll, weil sie die Funktion der Federung übernehmen und so ein wichtiger Puffer in Deinem Körper sind. Wenn Du in Samasthiti zudem in einer feinen, fast unmerklichen Bewegung Dein Kinn Richtung Brust neigst, sorgst Du zudem für einen entspannten Nacken. Wichtig ist zudem, dass Du auf Deine Gesichtszüge achtest. Ist Dein Kiefer entspannt und sind Deine Augen weich?

In Balance sein

Samasthiti ist eine Haltung, die Dir die Verbundenheit mit der Erde und dem Höchsten und damit das beruhigende Gefühl und die Sicherheit, geborgen und geschützt zu sein. Probiere den bewussten Stand im Yoga daher bald einmal aus. Es lohnt sich!

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Die Gebetshaltung (Anjali Mudra)

Die Gebetshaltung (Anjali Mudra)
Die Gebetshaltung (Anjali Mudra)

Bei der Gebetshaltung “Anjali Mudra” handelt es sich um eine sehr schöne und anmutige Yoga-Übung. Sie lässt sich einfach ausführen und kann tiefe Entspannung für Körper und Geist bringen.

Heilige Geste mit heilender Wirkung

Selbst wenn Du Dich noch nicht sehr lange mit Yoga beschäftigst, ist Dir bestimmt schon einmal die Handgeste “Anjali Mudra” begegnet, bei der die Hände vor dem Herz aufeinandergelegt werden. Für westliche Yoga-Freunde mag die Geste zunächst etwas befremdlich erscheinen, weil sie schnell mit Glauben in Verbindung gebracht wird. Dabei ist die Gebetshaltung viel mehr als nur eine heilige Geste: Sie wird im Hinduismus als Begrüßungsritual eingesetzt und dann oft in Verbindung mit der Grußformel “Namaste”, was mit dem wunderschönen Satz “das Licht, das in mir wohnt grüßt das Licht in dir” übersetzt werden kann. Wörtlich übersetzt steht Anjali für Geschenk und Mudra für Zeichen.

Die Gebetshaltung vereint Gegensätze, beispielsweise die linke und rechte Hand sowie im übertragenen Sinn die beiden Gehirnhälften. Es ist kein Zufall, dass die Hände vor dem Herzen zusammengebracht werden, zumal dort die Energie der Liebe, Balance und der Reinheit am besten wirken kann. Ziel der Gebetshaltung ist es, sich selbst ganzheitlich zu spüren, das Licht zu erkennen und sich mit allen Lebewesen liebevoll verbunden zu fühlen.

Die Ausführung der Gebetshaltung ist einfach, aber wirkungsvoll

Anjali Mudra ist einfach auszuführen und gerade deshalb so kraftvoll. Am besten nimmst Du eine angenehme Sitzhaltung ein, danach legst du die Handflächen locker aneinander und führst sie langsam zu deinem Herzen. Dabei spürst Du, wie die Energie fließt und kommst immer mehr zur Ruhe. Wenn Du möchtest, kannst Du die Hände bis zur Stirn anheben und so eine Verbindung zwischen Körper (Hände) und Geist (Stirn) herstellen.

Ruhe und Besonnenheit setzen ein

Bei der Gebetshaltung geht es darum, zur Ruhe zu kommen. Sie ist deshalb ein wundervolles Mittel gegen Stress und Hektik. Die aneinandergelegten Hände signalisieren dem Körper Inaktivität – sprichwörtlich sind uns die Hände gebunden, sie können nicht mehr rastlos tippen, greifen und tasten. Die Unruhe, die Dich vielleicht wegen Deines Berufes oder Deiner privaten Situation umtreibt, verschwindet. Diese Entschleunigung wirkt sich auch auf Deinen Geist positiv aus, denn dieser kann sich endlich vom lästigen Gedankenkarussell befreien. Dennoch handelt es sich bei der Gebetshaltung nicht um eine bloße Position der Ruhe. Vielmehr fließt zwischen den Händen eine Energie, die von vielen Menschen deutlich gespürt wird. Den Energiekreis kannst Du schließen, wenn Du die Hände langsam zusammenbringst und somit eine körperliche Einheit bildest.

Anjali Mudra – Fazit

Gerade die einfachen Haltungen im Yoga sind oft die kraftvollsten. Dabei spielt es bei der Gebetshaltung keine Rolle, welcher Konfession Du angehörst oder ob Du überhaupt gläubig bist. Sie dient der Herstellung eines Energiekreises mit dem Gefühl eines Ankommens im Leben. Anjali Mudra hat einen meditativen Charakter und lässt Deine Alltagssorgen für einen Moment vergessen. Sie kann auch eine Quelle der Inspiration sein, wenn Probleme anstehen oder Lösungen gesucht werden. Bringe dazu die Hände vor die Stirn, um den körperlich-geistigen Energiekreis zu erschließen. Insgesamt handelt es sich bei der Gebetshaltung also nicht nur um eine freundliche und liebevolle Geste, sondern um eine mentale Entspannungsreise in den eigenen Körper. Die Gebetshaltung kann mehrmals täglich ausgeführt werden und immer dann sinnvoll sein, wenn Du Dich besonders belastet fühlst oder nach einem Ausweg suchst. Dabei gilt keine zeitliche Begrenzung – bleibe so lange in dieser kraftvollen Haltung, bis Du das Gefühl hast, mit neuer Energie durchströmt zu sein.

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