Yoga: der konzentrierte Start

Yoga: der konzentrierte Start
Yoga: der konzentrierte Start

Yoga macht Spaß und ist immer eine Herausforderung. Du kannst in jedem Lebensalter damit beginnen. Ob Kind oder Senior: Es gibt ganz einfache Körperübungen, die scheinbar problemlos gelingen. Dennoch ist auch hier die volle Konzentration gefordert. Jede Übung sollte gleichermaßen spielerisch wie aufmerksam unternommen werden, damit sich keine Fehler einschleichen. Das klingt fast widersprüchlich, aber Anstrengung und Vergnügen liegen hier nah beieinander. Wer orthopädisch eingeschränkt ist, geht natürlich nur so weit, wie es der Körper zulässt. Mit der Zeit reagiert der Körper auf die Übungen, er wird dehnbarer und verändert sich langsam. Vielleicht geht es deshalb beim nächsten Mal schon etwas besser.

Zeitlos in der Konzentration

Yoga braucht etwas Zeit – und lässt sich Zeit. Es geht nicht darum, in einer halben Stunde möglichst viele Übungen zu absolvieren. Die Bewegung, die jetzt gerade, in diesem Augenblick, praktiziert wird, sollte mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt werden. Häufig verweilst du für einen Moment in einer bestimmten Stellung. Anschließend wird die Position genauso allmählich wieder aufgelöst. Das Tempo gibst du selbst vor. Ein guter Yogalehrer lässt der Gruppe immer etwas Zeit. Wenn du also etwas länger brauchst als andere, macht das gar nichts. Und wenn du nicht so biegsam bist wie andere, ist das ebenso in Ordnung. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Yoga hat nichts mit Wettbewerb zu tun. Vielleicht bist du nur in der falschen Gruppe. Dennoch darfst du ein bisschen Ehrgeiz mitbringen, um die Übungen so gut wie möglich zu absolvieren. Du wirst sehen, wie gut dir Yoga tut, egal auf welcher Stufe.

Yogamatten und mehr

Wer mit Yoga beginnt, bucht meist einen Kurs bei der Volkshochschule oder in einem Studio. Unter der fachkundigen Anleitung des Lehrers schleichen sich keine Fehler ein. Gerade als Anfänger kannst du viel falsch machen, und damit wäre das Ziel der Übungen verfehlt. Außerdem werden notwendige Utensilien bereitgestellt. Für viele Kurse stehen Bodenmatten bereit. Falls nicht, ist die Anschaffung einer eigenen Gymnastik- oder Yogamatte nötig. Diese ist nicht teuer und kann dir auch zu Hause nützlich sein, wenn du nebenbei noch etwas trainieren möchtest. Die Matte ist leicht und lässt sich zusammengerollt einfach transportieren. Wer gleich von Anfang an mehr investieren möchte, ist mit Spezialmatten gut beraten. Es gibt Yogamatten aus den unterschiedlichsten Materialien, in vielen Farben und in teils wunderschönen Ausführungen. Eine Matte mit einem gestickten Symbol sieht nicht nur attraktiv aus, sie ist auch ein tolles Geschenk. Setze sie einfach auf deinen Wunschzettel für Weihnachten oder Geburtstag.

Wer sich länger mit Yoga beschäftigt, wird sich wahrscheinlich im Laufe der Jahre weitere Produkte wünschen. Dazu gehören beispielsweise Yogakissen, die es ebenfalls in den unterschiedlichsten Ausführungen gibt. Für die Atemübungen und zur Meditation sind sie eine Alternative zu Stühlen und Matten. Du sitzt bequem mit aufrechtem Rücken und kannst auch eine Weile in dieser Haltung verharren. Schließlich soll die Konzentration nicht durch unbequeme Umstände gestört werden.
Für Fortgeschrittene gibt es beispielsweise Yogablöcke, die bei schwierigen Stellungen eine wertvolle Unterstützung leisten. Ebenso sind Yogagurte gefragt, die dir ein längeres Verweilen in einer bestimmten Position ermöglichen. Diese Hilfsmittel dienen dazu, deine Dehnungen zu optimieren.

Ist Yoga etwas für dich?

Doch all diese Hilfsmittel sind erst gefragt, wenn du dich eine Weile für Yoga begeistert hast. Yoga kann zwar von jedem praktiziert werden, aber nicht jeder hat Spaß daran. Mancher findet keinen Draht zu dieser Form des Körpertrainings oder zu der Philosophie, die dahinter steht; manch einer startet mit Begeisterung, aber schon nach kurzer Zeit ist die Freude dahin und das Training wird eingestellt. Darum teste erst eine Weile aus, ob du die richtige Entscheidung getroffen hast.

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Ausbildung zum Yogalehrer – Traumberuf Yogalehrer?!

Ausbildung zum Yogalehrer - Traumberuf Yogalehrer?!
Ausbildung zum Yogalehrer – Traumberuf Yogalehrer?!

Die Yogamatte ist dein liebster Platz? Oder träumst du davon, dass sich dein Berufsleben darum dreht? Dann ist die Ausbildung zum Yogalehrer genau das Richtige für dich.

Yoga kannst du haupt- und nebenberuflich unterrichten. Voraussetzung sollte allerdings eine qualifizierte Ausbildung sein, denn Yoga ist mehr, als anderen Übungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade beizubringen.

Ein Beruf mit Zukunft

Es ist ein anspruchsvoller und schöner Beruf. Du hast viel mit Menschen zu tun, arbeitest in einer ruhigen Atmosphäre voller Konzentration und Kontemplation. Du bist dein eigener Herr, beispielsweise mit eigenem Studio – das bringt natürlich weitere Verpflichtungen und viel Verantwortung mit sich. Deine eigenen Vorteile sind dein fitter Körper, die Sichtweise auf neue Fragestellungen (weil jeder Schüler neue Aspekte einbringt) und viel Vergnügen in einem aktiven Leben. Zudem sind die Zukunftsaussichten nicht schlecht, denn Yoga bedient Moden oder Hypes: das allgemeine sportliche Interesse, die Beschäftigung mit östlichen Weisheiten und der Wunsch, sich selbst zu finden, zur Ruhe zu kommen und mehr Entspannung in das hektische Leben zu bringen.

Traditionelles und Modernes müssen in deinen Lehrstunden so verbunden werden, dass deine Schüler gern zuhören und üben. Die Grundidee des Yoga gehört ebenso dazu wie die Anregung zu eigenen Reflexionen, doch darf dies nicht penetrant geschehen. Du musst gut zuhören, individuelle Beweglichkeiten abschätzen, Ängstliche ermutigen und Übereifrige bremsen können. Yoga ist also auch ein Beruf für Menschenkenner. Vieles davon lässt sich in einer fundierten Ausbildung sehr gut lernen.

Yoga bedeutet auch für Lehrer lebenslanges Lernen

Es gibt etliche Möglichkeiten, dich unterrichten zu lassen. Natürlich kannst du auf deine jahrelange Praxis verweisen, aber als Yogalehrer mit Qualifikation hast du immer einen besseren Status und einen Nachweis, dem deine Schüler vertrauen – sofern du dir eine hochwertige Lehrausbildung und weiterhin Fortbildungen gönnst. Die Berufsbezeichnung selbst ist nicht geschützt, aber mit entsprechenden Zertifikaten und einer guten inneren Haltung wirst du sicher erfolgreich sein.

Preiswert …

In manchen Büchern wird das Unterrichten von Yoga kurzweilig beigebracht und auch als einfach hingestellt, doch solltest du vorsichtig damit sein. Yoga bedeutet jahrelange Arbeit an sich selbst; willst du es anderen beibringen, musst du aus deiner Praxis, neu Gelerntem und aus dem, was deine Schüler über sich erzählen, eine harmonische Kombination zusammenstellen. Sequenzen, also Übungsabläufe, müssen gut auf die Zielgruppe abgestimmt sein. Sehr erfahrene Yogis unterrichten manchmal aus dem Instinkt heraus, aber dafür sind Jahre und Jahrzehnte der intensiven Yogabeschäftigung nötig.

… oder sehr teuer

Eine recht teure Möglichkeit ist der Besuch bei Lehrern in Fernost. Yoga direkt im Ursprungsland oder vor traumhafter Kulisse zu erlernen, hat sicher eine exotische Note, doch musst du Kosten und Nutzen abwägen. Solch eine Reise könntest du als Urlaubsersatz einplanen und zusätzlich zu einer anderen Ausbildung nutzen. Dann verbindest du das Angenehme und Neue mit dem Nützlichen.

Auf der sicheren Seite …

Ebenso gut kannst du dich zum Beispiel an den BDY, den Bund Deutscher Yogalehrer, wenden. In einem seriösen Verband bist du auch für die Zukunft gut eingebunden, bekommst die neuesten Informationen und Fortbildungsangebote. Wenn etwas nicht optimal läuft oder du in einer Krise steckst, kannst du dich beraten lassen. Publikationen und ein spezieller Mitgliederservice runden das Bild ab. Es wird neben dem Training viel Wert auf medizinische und pädagogische Aspekte sowie die Hintergründe der Yogalehre gelegt.

… oder auf eigene Faust

Weiterhin bieten viele unterschiedliche Institutionen Ausbildungen an. Wir raten dazu, die einzelnen Webseiten unbedingt sorgfältig auf Angebot, Seriosität, Kosten, Zertifikate und den Gesamteindruck zu prüfen.

Ansonsten ist das Internet eine hilfreiche Instanz, wenn es um allgemeine Fragen geht, beispielsweise um Fehler, die du als Yogalehrer und damit als Selbstständiger machen kannst.

Am besten startest du deinen Traumjob Yogalehrer mit reichlich Lesestoff, vielen Fragen und manchem Telefonanruf.

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Das Bikram-Yoga von Bikram Choudhury

Das Bikram-Yoga von Bikram Choudhury
Das Bikram-Yoga von Bikram Choudhury

Bikram Choudhury gehört zu den erfolgreichsten, aber zugleich umstrittensten Yogameistern der Neuzeit. Der geschäftstüchtige amerikanische Yogalehrer mit indischen Wurzeln entwickelte ein eigenes Konzept, das er patentieren ließ und als Bikram-Yoga oder Hot-Yoga vermarktet. Stars wie Julia Roberts lieben seinen Yogastil, viele traditionell denkende Yogis können sich mit seinem Ansatz hingegen nicht anfreunden. Yoga als persönliches geistiges Eigentum, Asana-Championships oder gar Yoga als olympische Disziplin? Das widerspricht in ihren Augen der wahren Yogaphilosophie. Wer ist dieser Yogameister, über dessen Person, Charakter und Methodik so kontrovers diskutiert wird?

Kindheit und Jugend in Kalkutta

1946 in Kalkutta, einer der größten Städte und Ballungszentren Indiens geboren, begann Bikram Choudhury mit vier Jahren, Hatha Yoga zu praktizieren. Sein Guru war Bishnu Charan Gosh, ein Bruder des legendären Paramahansa Yogananda. Dieser hat mit seinem Buch „Autobiografie eines Yogi“ vielen Menschen im Westen Einblicke in die Yogaphilosphie ermöglicht und so Yogalehre und -praxis dort den Boden bereitet. Als 12-Jähriger war Bikram Indiens jüngster Yoga-Champion und wurde mit 14 Jahren zum Yogiraj ernannt. Die fast unglaubliche Heilkraft von Yoga erkannte er aber erst mit 18 nach einem Trainingsunfall beim Gewichtheben. Eine schwere Hantel hatte sein Knie zertrümmert. Er fühlte sich als Krüppel, sein Yogalehrer ermutigte ihn dennoch zu Asanas wie dem Lotussitz – in seinem Zustand eigentlich unvorstellbar. Doch das Wunder geschah: Ein halbes Jahr später war Bikram fit und überzeugt davon, in Yoga eine wirksame Therapie gegen verschiedenste Krankheiten gefunden zu haben.

Die Entstehung des Hot-Yoga in Japan und der Beginn der Bikram-Erfolgsstory

In Mumbai entwickelte Bikram nach seiner Genesung die feste Übungsabfolge, für die Bikram-Yoga heute weltweit bekannt ist. 1970 reiste er nach Japan, um dort in Tokio eine Yogaschule zu eröffnen. Dort drehte er erstmals die Heizung während der Übungsstunden auf. Zu den Schülern gehörte auch der spätere Premier Kakuei Tanaka. Danach unterrichtete Bikram, der bereits eine gewisse Berühmtheit als „Wunderheiler“ erlangt hatte, auch auf Hawaii. Präsident Nixon gehörte dort zu seinen „Patienten“ und bedankte sich für die erfolgreiche Anwendung von Bittersalz im Badewasser mit einer Greencard. Mittlerweile ist Bikram Choudhury amerikanischer Staatsbürger. Nachdem er 1973 in Kalifornien „Bikram Yoga College of India“ gegründet hatte, wurde er für die Bikram-Yoga-Patentanmeldung, seinen luxuriösen Lebensstil sowie seinen Hang zur Kommerzialisierung des Yoga zunehmend kritisiert, bis es 2004 zu einem Rechtsstreit um den Markeneintrag kam. Offen ist der Ausgang weiterer Gerichtsverfahren, in denen ihm sexuelle Übergriffe zur Last gelegt werden.

Das Bikram-Yoga-Konzept: Yoga-Training bis zur Erschöpfung

Bei einer Raumtemperatur von bis zu 40 Grad Celsius bedeutet eine Bikram-Yogastunde hartes, schweißtreibendes Training mit rund 2 Liter Wasserverlust. Trinken während des Unterrichts ist deshalb Pflicht. Die Reihenfolge der Übungen (26 Asanas, 2 Atemübungen) ist festgelegt und wird zweimal wiederholt. Die Hitze soll den Kreislauf anregen, Muskeln und Sehnen lockern und die Beweglichkeit des Körpers erhöhen. Bei Kreislaufproblemen und Vorerkrankungen sollte belastendes Bikram-Yoga nicht ohne ärztliches Einverständnis praktiziert werden. In seiner Yogaschule in Los Angeles führt Bikram Yogawettbewerbe durch, bei denen neben Ausführung und Stil der Asanas auch Körperbau und Kleidung bewertet werden. Erklärtes Ziel ist es, Bikram Yoga als olympische Disziplin zu etablieren, um mehr Menschen für Yoga zu begeistern. Die weltweite Zahl der lizenzierten Bikram-Schulen übersteigt inzwischen die 1000er-Marke. Bikram-Lehrer dürfen sich nur die derzeit rund 7000 Yogalehrer nennen, die eine persönliche Ausbildung beim Meister selbst erfahren haben. Für Bikram Choudhury sind dies Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Gemeinsam mit seiner Frau Rajashree Choudhury leitet er die sogenannten Teacher Trainings.

Wie auch immer man persönlich zu Bikram-Yoga und zu seinem “Erfinder” stehen mag: Am Erfolg gemessen ist Bikram Choudhury ein maßgeblicher Teil der Yogaszene.

Bild © fxegs

Der Erfinder des Power Yoga Bryan Kest

Der Erfinder des Power Yoga Bryan Kest
Der Erfinder des Power Yoga Bryan Kest

Aus Power Yoga, dem schweißtreibenden Yoga-Stil der 90er-Jahre, ist längst ein Yoga-Klassiker geworden. Der Amerikaner Bryan Kest hat den Grundgedanken seines „Yoga-Workouts“, das den Körper kräftigen und zugleich Geist und Seele stärken soll, bereits 1985 entwickelt. Doch erst 10 Jahre später, nach der Gründung seines eigenen Studios Santa Monica Power Yoga 1995, begann der Power-Yoga-Boom. Hollywoodschauspielerinnen wie Gwyneth Paltrow und Drew Barrymore gehören seither zu den prominenten Schülerinnen von Bryan Kest. Power Yoga zählt zu den beliebtesten Yoga-Stilen in der westlichen Welt, und sein Schöpfer hat den Status eines Star-Gurus.

Erster Kontakt mit Yoga als Jugendlicher

Bryan Kest wurde 1964 als Sohn eines Arztes geboren. Sein in Hawaii lebender Vater schätzte als Mediziner den vielfältigen gesundheitlichen Nutzen von Yoga. Bryan wuchs weit entfernt in Detroit auf und bekam von dieser Leidenschaft seines Vaters kaum etwas mit. Dass er trotzdem bereits mit 14 Jahren begann, Yoga zu praktizieren, geschah nicht aus freiem Willen. Weil er massive Schulprobleme hatte und allmählich auf die schiefe Bahn zu geraten drohte, holte der Vater Bryan zu sich und vermittelte dem widerstrebenden Sohn den Kontakt zu seinem eigenen Yogalehrer. Das war kein Geringerer als David Williams, der in den frühen 70er-Jahren nach Indien gereist war und dort als Schüler von Pattabhi und Manju P. Jois das komplexe Ashtanga-Yoga-System erlernt hatte. Nach seiner Rückkehr in die Heimat machte er Ashtanga Yoga im Westen bekannt – und unterrichtete auch Bryan Kest. Inspiriert durch seinen westlichen Lehrer beschritt er nun den Yoga-Weg aus freien Stücken und suchte ebenfalls Yogi Pattabhi Jois in Indien auf. 1985 kehrte er nach einem Jahr Aufenthalt in Mysore zurück und schrieb sich am Ryokan College in Los Angeles für ein ganzheitlich gesundheits- und ernährungswissenschaftliches Studium ein. Parallel betätigte er sich als Yogalehrer bei einem Yoga-Therapeuten für Menschen mit diversen Essstörungen. 1995 machte sich Bryan Kest mit seinem neu entwickelten Yoga-Stil selbstständig und eröffnete ein eigenes Studio – der Beginn einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte.

Der entscheidende Unterschied zwischen Ashtanga Yoga und Power Yoga

Power Yoga klingt nach Yoga für Fortgeschrittene – aber eigentlich hat Bryan Kest damit das sehr anspruchsvolle Ashtanga Yoga so modifiziert, dass auch Anfänger angesprochen werden. Denn während im Ashtanga Yoga sämtliche Bewegungsabläufe und Stellungen exakt vorgeschrieben sind, sind im Power Yoga Abwandlungen möglich, je nach Leistungsstand der Praktizierenden. Sich bewusst atmend langsam, aber stetig herantastend an die eigenen Grenzen – das ist beim Ashtanga Yoga nicht möglich. Power Yoga ist keine Sportart im klassischen Sinne, da Yoga nicht auf den sportlichen Aspekt reduziert werden kann. Dynamische Bewegungsabläufe trainieren in Verbindung mit Atemtechniken und Entspannungsübungen, Beweglichkeit und Körperkraft ebenso wie den Gleichgewichtssinn und die innere Balance.

Power Yoga – die undogmatische Variante des Asthanga Yoga

Die Bezeichnung Power Yoga leitete Bryan Kest „empowering“ ab, was sich mit „ermächtigend“ übersetzen lässt. Kraft im Sinne von „Power“ bedeutet hier nicht nur die physische Stärke, sondern schließt die mentale Ebene als Widerstandskraft ein. „Auspowern“ ist nicht das Ziel, auch wenn die Übungen anstrengend sind, im Gegenteil: Power Yoga beinhaltet auch Einsichtsmeditationen nach dem Vorbild der Vipassana-Praxis. Es gilt die Regel der Selbstbestimmung: Der Lehrer gibt lediglich Anregungen, die Schüler praktizieren ihre Übungen aber eigenverantwortlich, loten körperliche Grenzen aus und erkennen diese an. In diese Regionen vorzustoßen ist schweißtreibend, aber niemals überlastend. Konzentriertes Atmen ist ebenso wichtig wie die Versenkung in sich selbst. Kests Geschäftsmodell ist außergewöhnlich: In seinen Yogaklassen in Santa Monica gibt es keine Gebühren, sondern jeder, der teilnimmt, spendet einen Betrag. Die Höhe ist – mit der Empfehlung für eine Mindestsumme – freigestellt. Und das funktioniert auch ohne Kontrolle bestens. Für Workshops reist der Yogalehrer mit Kultstatus um die Welt. Regelmäßig stattet er auch Power Yoga Schulen in Deutschland einen Besuch ab und bildet dort andere Lehrer aus.

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Yogi Bhajan als Wegbereiter des Kundalini-Yoga

Yogi Bhajan als Wegbereiter des Kundalini-Yoga
Yogi Bhajan als Wegbereiter des Kundalini-Yoga

Yogi Bhajan hat Pionierarbeit für alle westlichen Anhänger des spirituell inspirierten Kundalini Yoga geleistet. Anthony Kiedis, Frontmann der kalifornischen Rockband „Red Hot Chili Peppers“ ist einer von ihnen, ebenso aber auch rund eine Million Menschen auf der ganzen Welt, die nicht als Stars im Rampenlicht stehen. Sie alle fühlen sich dem „Healthy, Happy, Holy“-Prinzip verbunden, das für Yogi Bhajan zu den Lebensgrundrechten gehörte und für das er 1969 die 3HO-Stiftung ins Leben rief. Wer war dieser charismatische Lehrer, der Tausende persönlich motivierte und der den Titel eines religiösen Führers der Sikhs in der westlichen Welt führen dufte?

Die frühen Jahre: Geburt, Kindheit und Jugend des Yogi Bhajan

Harbhajan Singh Puri, am 26.08.1929 im damals noch zu Indien gehörenden kleinen Dorf Kot Harkarn als Sohn eines Arztes geboren, zeigte von klein auf Interesse an heilkundlichen Themen. Er wuchs in der weltzugewandten Tradition der Sikh-Religion auf, in der die Schöpfung in besonderem Maße respektiert wird. Als er acht Jahre alt war, führte ihn der Tantra-Meister Sant Hazara Singh ins Kundalini-Yoga ein und ernannte ihn bereits im jugendlichen Alter von 16 Jahren zum Yogi. Nachdem kurze Zeit später Unruhen die Provinz erschütterten, marschierte er gemeinsam mit den Dorfbewohnern ins mehr als 300 Meilen entfernte Neu-Delhi. Der Legende nach hat der jugendliche Yogi die Führung bewusst übernommen, um die Menschen in Sicherheit zu bringen.

Studium, Staatsdienst und Verbindung zur Flower-Power-Generation

Auf geistiger, körperlicher und spiritueller Ebene talentiert und voller Wissbegierde, nahm Yogi Bhajan ein Studium in Chandigarh auf. Dort studierte er Wirtschaftswissenschaften an der renommierten Punjab Universität. Da er von hohem Wuchs und vielseitig sportlich begabt war, bezeichneten ihn seine Kommilitonen scherzhaft als „Chinesische Mauer“. Während des Studiums nutzte Yogi Bhajan die vorlesungsfreien Zeiten für Reisen innerhalb Indiens und zum Himalaja, um sich in verschiedenen Ashrams, den religiösen Meditationszentren, spirituell ausbilden zu lassen. Im Anschluss an das Diplom machte er Karriere im Staatsdienst, wo er als leitender Zollbeamter am Indira Gandhi International Airport tätig war und in Kontakt mit Menschen und Einflüssen aus dem Westen kam, denen er weltoffen begegnete. Trotz seiner Verpflichtungen als Beamter und auch nach Heirat und Familiengründung nahm er sich längere Auszeiten, beispielsweise um Karma Yoga zu praktizieren.

Yogi Bhajan als Pionier des Kundalini Yoga im Westen

1968 reiste der gläubige Sikh erstmals in ein westliches Land, als er einer Einladung der Universität von Toronto folgend einen Vortrag über Yoga hielt. Diese Reise sollte grundlegende Veränderungen für Yogi Bhajan und das Kundalini Yoga bringen: Nach dem zweimonatigen Kanada-Aufenthalt wurde Los Angeles in Kalifornien sein neuer Wohnsitz. Dort traf er mit seiner kraftvoll charismatischen Ausstrahlung und seiner Lehre im „Wassermannzeitalter“ den Nerv der friedensbewegten Flower-Power-Generation. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass für viele mit Drogen experimentierende Hippies der Sikhismus ein gangbarer Weg war, auch ohne Drogen zum höheren Bewusstsein zu gelangen. Yogi Bhajan hielt jedoch nichts davon, nur Anhänger um sich zu scharen. Sein übergeordnetes Interesse galt der Weitergabe seiner Lehren durch das Unterrichten neuer Schüler während seiner ausgedehnten Reisen.

Happy, holy, healthy: Gründung und Förderung der 3HO-Organisation

Um die Voraussetzungen zur Verbreitung des Wissens über die menschlichen Geburtsrechte auf Glück, Gesundheit und Heiligkeit zu schaffen, gründete der von seinen Schülern liebevoll Yogiji genannte Yogi Bhajan 1969 die 3H-Organisation. Dieses erste Kundalini-Yoga-Zentrum war nur der Anfang einer weltweiten Gründungswelle. Viele Mitglieder kleideten sich traditionell und zeigten ihre Geisteshaltung äußerlich durch kunstvolle Turbane und schlichte weiße Kleidung. Sie alle lebten als Yogis und getaufte Sikhs – Sikh Dharma galt dank Yogi Bhajan in Amerika als Weltreligion, wird heute allgemein aber als hinduistische Reformsekte eingeordnet. Mit dem 3HO Deutschland e.V. befindet sich einer von den heute mehr als 300 gemeinnützigen Vereinen zur „Förderung des Menschen durch Yoga“ auch in Deutschland. Der Hamburger Verein blickt auf insgesamt rund 15 Besuche des Yogi Bhajan zurück, der 1971 zum Mahan Tantra („Meister des Weißen Tantra-Yoga“) ernannt wurde. Im selben Jahr besuchte er, gefolgt von amerikanischen Schülerinnen und Schülern, mit dem Goldenen Tempel Harmandir Sahib die heiligste Stätte der Sikhs. Yogi Bhajan setzte sich zeit seines Lebens für die Gleichberechtigung von Frauen ein, befürwortete den Weltfrieden und die Religionsfreiheit und suchte den Dialog in Religion und Politik. Als er 75-jährig am 06.10.2004 in New Mexiko starb, hieß es, er habe seinen Körper nach einem erfüllten Leben verlassen. Seine Lehre aber überdauert jenseits von trendigen Yoga-Hypes und akrobatischen Verrenkungen in der Kundalini-Tradition als Yoga der Bewusstheit.

Bild © kapu