Kinderyoga in der Schule

Kinderyoga in der Schule
Kinderyoga in der Schule

Weil sich einfache Yogaübungen hervorragend zur Einbindung in den Schulalltag eignen, nutzen Pädagogen Kinderyoga seit einigen Jahren verstärkt in der Schule. Ob im Rahmen des Bewegungs- und Sachunterrichts oder als optionales Angebot im offenen Ganztag: Mit Kinderyoga lassen sich Bewegung, Entspannung und Lernen wunderbar verbinden. Schulkinder – insbesondere Erst- und Zweitklässler – profitieren an langen Schultagen mit einem hohen Lärmpegel von entspannenden, leisen Yogaritualen. In vielen Grund- und Förderschulen werden Yogaelemente seit Längerem eingesetzt: Es gibt zahlreiche Unterrichtsmaterialien, anhand derer Lehrkräfte Yoga in den Unterricht integrieren können. Aber auch an Ganztagsschulen, wo neben der Vermittlung von Lerninhalten Erziehungs- und Betreuungsaufgaben neue Schwerpunkte setzen, nutzen Erzieher/innen Yoga, um Kinder ganzheitlich in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Yogarituale und Jahreskreis-Yoga im Grundschulunterricht

Im Anfangsunterricht kann Kinderyoga beispielsweise mit einem übergeordneten Thema wie „Jahreszeiten im Jahreskreis“ ganzjährig die Unterrichtsgestaltung bewegen und bereichern. Dazu gibt es bereits Materialien eines pädagogischen Fachverlags. Enthalten sind Bildkarten mit leichten Asanas, auf der unter anderem auch die korrekten Bewegungsabläufe für Blüte, Sonne, Blatt oder Haus (stellvertretend für die vier Jahreszeiten) beschrieben werden. Kleine Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Wintergeschichten können eine Rahmenhandlung für Yogapositionen, Spiele und Tänze vorgeben, die zwanglos zu den thematisch passenden Lerninhalten hinführen. Ebenso beliebt sind andere Naturthemen wie Tiere und Pflanzen oder Farben, die zu entsprechenden Übungen anregen.

Ganz nebenbei lernen die Kinder, ihren Körper besser wahrzunehmen. Bei Yoga findet ein Wechsel von Körperanspannung und -entspannung statt, was Kindern auch zu Hause und in anderen Situationen des Alltags hilft, Spannungen zu lösen und zur Ruhe zu finden. „Bewegter“ Unterricht schafft ein Lernumfeld, das die Konzentration fördert und zur Kreativität anregt. Auch zu diesen Aspekten finden Lehrer und Lehrerinnen Handreichungen mit Ideensammlungen für die Unterrichtspraxis.

Offene Ganztagskonzepte mit Yoga-Angeboten

Nach dem Unterricht verbringen Grundschulkinder in Ganztagsschulen auch den Nachmittag in der Schule. Yoga zur kreativen Freizeitgestaltung kann hier auch als außerschulisches Angebot von Sportvereinen oder Yogaschulen zur Verfügung gestellt werden. Yoga verbindet und überwindet Barrieren: Sprachbarrieren zwischen deutschen Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund ebenso wie Barrieren durch Übergewicht und hohes Aggressionspotenzial. Gerade an Brennpunkt-Schulen, wo Gewalt bereits unter Grundschülern verbreitet ist, kann ein Yoga-Angebot Orientierungshilfen geben und Achtsamkeit und Respekt vor Mitmenschen fördern. Beispielhafte Erfolge von Berliner Ganztagsschulen haben auch andere Schulen aufhorchen lassen: Dort hat sich die Einfühlungskraft in die Bedürfnisse des Anderen durch Yogakurse so positiv entwickelt, dass alle davon profitieren: die Kinder ebenso wie Lehrkräfte und Erziehungspersonal. Letztlich kann Yoga sogar einen Beitrag zur Sprachförderung leisten, wenn in Eingangsritualen Geschichten erzählt und mit Bewegungen verknüpft werden. Kleine Machos, die Vorbehalte gegen „mädchenhafte“ Erzählungen und Bewegungsspiele haben, lassen sich oft mit Heldengeschichten und dazu passenden Heldenstellungen aus der Reserve locken.

Kinderyoga-Angebote an weiterführenden Schulen

Der pädagogische Ansatz, Defizite auszugleichen und dem schulischen Druck mit Yoga etwas entgegenzusetzen, erweist sich auch in der Sekundarstufe als hilfreich. Yoga verzichtet von seinem Wesen her auf jeglichen Leistungsdruck. Die Förderung von Wahrnehmungs- und Aufnahmefähigkeit erleichtert das Lernen, ohne dass Kinder das Gefühl haben „funktionieren“ zu müssen. In den Klassen 5 und 6 verliert Kinderyoga in der Schule dennoch den vornehmlich spielerischen Charakter. So wie sich die Unterrichtsschwerpunkte ändern, können auch die Übungen dem Alter der Schüler/innen und der sensomotorischen Entwicklung angepasst werden. Für höhere Klassen eignen sich die Grundlagen des Yoga als theoretischer und praktischer Gegenstand des Sportunterrichts, die auf die jeweiligen Lernplanziele abgestimmt werden können. Auf Aufwärm- und Achtsamkeitsübungen folgen Yoga-Positionen und Bewegungsfolgen mit den Zielsetzungen Aggressionsabbau oder Gelassenheits- und Kraftsteigerung. Pädagogikverlage bieten für die Schülerarbeit Arbeits- und Reflexionsbögen als Kopiervorlagen an. Außerhalb der Lehrpläne bieten viele Schule Yoga-AGs und Yoga-Workshops an, die auch für ältere Kinder und Jugendliche interessant sind, die zuvor noch nie Yoga praktiziert haben.

©iStock.com/Wavebreakmedia

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