Mumukshutva: einer der vier Bedingungen für den Fortschritt auf dem spirituellen Weg

Mumukshutva: einer der vier Bedingungen für den Fortschritt auf dem spirituellen Weg
Mumukshutva: einer der vier Bedingungen für den Fortschritt auf dem spirituellen Weg

Mumukshutva aus dem Sanskrit bedeutet übersetzt „das Verlangen nach Befreiung“. Mit diesem Wort kann auch der Wunsch, die Sehnsucht oder das Streben, in jedem Fall das beständige Verlangen in Richtung Freiheit gemeint sein. In Shankara´s Werk „Tattvabodha“ werden vier Vorbedingungen genannt, die notwendig sind, um auf dem spirituellen Weg voranzukommen. Zu diesen wichtigen Eigenschaften eines spirituellen Schülers zählen Unterscheidungsvermögen (Viveka), Verhaftungslosigkeit (Vairagya), die „sechs Schätze“ oder die sechsfachen edlen Tugenden (Shatsampat) und der starke Wunsch nach Befreiung (Mumukshutva). Bei Mumukshutva handelt es sich um die treibende Kraft aber auch um den größten und letzten Wunsch, der alle anderen ersetzt. Laut dem spirituellen Meister Swami Sivananda kommt Mumukshutva ganz von selbst, wenn die drei anderen Eigenschaften bereits vorhanden sind. Dann ist der Aspirant frei vom Kreislauf von Geburt und Tod und allen unerwünschten Begleiterscheinungen im Laufe eines Lebens, wie Krankheit, Sorge, Alter und Täuschung. Wenn sich der Schüler alle vier Eigenschaften angeeignet hat, besitzt er laut Sivananda „eine gesegnete Göttlichkeit auf dieser Erde“. Letztendlich muss der Wunsch nach Befreiung jedoch aufgegeben werden, um wahre Befreiung zu erlangen.

Die vier wichtigen Eigenschaften eines spirituellen Schülers auf dem Weg zur Befreiung

Laut Swami Sivananda ist die Einhaltung der Reihenfolge, in der die vier Eigenschaften erlangt werden, von Bedeutung. Bevor Mumukshutva, also der fortwährende Wunsch nach Befreiung präsent wird, gilt es, die folgenden Eigenschaften durch stetiges Wollen und Üben zu erreichen.

  1. Viveka: Ist die Kraft, zwischen dem Vergänglichen und dem Ewigen, zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, zwischen Vergnügen und Freude unterscheiden zu können.
  2. Vairagya: Diese Kraft wird auch Leidenschaftslosigkeit oder Wunschlosigkeit genannt. Es geht darum, das Nicht-Verhaftet sein zu üben.
  3. Shatsampat: Auch „Sama Shatakam“ genannt, bedeutet übersetzt „die sechs edlen Tugenden“. Die Sechsheit beginnt mit Gelassenheit.
  4. Mumukshutva: Mit dem Wunsch nach Befreiung ist auch das intensive Verlangen nach einer höheren Wahrheit gemeint. Wenn dieser Wunsch stärker ist, als alle anderen Wünsche, dann kann der Schüler noch im gegenwärtigen Leben höchste Verwirklichung erreichen. Diese Befreiung oder Erleuchtung kommt dann schnell zu dem, bei dem eine intensive Sehnsucht danach brennt.

In der heutigen Gesellschaft hat Mumukshutva oft keine Bedeutung mehr. Viele Menschen streben nach Glück, das sie in Geld, Erfolg und vergänglichen Dingen sehen. Aber nur wer danach strebt, Mumukshutva wahrlich zu kultivieren, wird verstehen, dass das weltliche Glück nicht von Dauer ist. Wer dies verstanden hat, hat Viveka erreicht. Wer es intensiv wahrnimmt, besitzt die Gabe von Vairagya. Wenn der Geist in jeder Situation gelassen bleibt, dann ist die Kraft von Shatsampat am Werken. Mumukshutva kommt dann ganz von alleine, um den Schüler zum Höchsten zu bringen.

Was Befreiung und Erleuchtung wahrlich bedeutet

Laut Sivananda hilft es zu verstehen, was die höchste Wahrheit bedeutet, wenn man sich das Leben der Weisen und Heiligen näher ansieht und dieses mit einem weltlichen Leben vergleicht. In einem rein weltlichen Leben hat man mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Glücksmomente sind nur im Kleinen zu finden. Die Heiligen, von denen es sehr viele gibt, haben jedoch dauerhaftes Glück gefunden. Ihnen ist es gelungen, Unendlichkeit zu erfahren. Diese Unendlichkeit bedeutet Freiheit, wahre Befreiung vom Verhaftet sein in Materiellem, in Verpflichtungen, Sorgen, Mühen, Krankheit und Tod. Wer sich den Vergleich ansieht, wohin ein weltliches und wohin ein spirituelles Leben führt, wird den Wunsch nach Befreiung in sich entwickeln. Dies ist die beste Basis, um Mumukshutva wachsen zu lassen. Wichtig ist jedoch, sich auf dem Weg nach Mumukshutva nicht entmutigen zu lassen. Viele Schüler merken oft, dass das Erlangen von wahrer Befreiung nicht immer so einfach geht. Ernüchterung ist ein natürlicher Prozess auf der Suche nach Wahrheit. Keinesfalls sollte man in solch einer Phase das Ziel aus den Augen verlieren. Mit regelmäßiger Meditation, Pranayama, Mantra singen, gesunder Ernährung und regelmäßiger Übung kann jeder die Eigenschaft von Mumukshutva erlangen.

Bild © lindrik / 123rf.com

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