Yogi Bhajan als Wegbereiter des Kundalini-Yoga

Yogi Bhajan als Wegbereiter des Kundalini-Yoga
Yogi Bhajan als Wegbereiter des Kundalini-Yoga

Yogi Bhajan hat Pionierarbeit für alle westlichen Anhänger des spirituell inspirierten Kundalini Yoga geleistet. Anthony Kiedis, Frontmann der kalifornischen Rockband „Red Hot Chili Peppers“ ist einer von ihnen, ebenso aber auch rund eine Million Menschen auf der ganzen Welt, die nicht als Stars im Rampenlicht stehen. Sie alle fühlen sich dem „Healthy, Happy, Holy“-Prinzip verbunden, das für Yogi Bhajan zu den Lebensgrundrechten gehörte und für das er 1969 die 3HO-Stiftung ins Leben rief. Wer war dieser charismatische Lehrer, der Tausende persönlich motivierte und der den Titel eines religiösen Führers der Sikhs in der westlichen Welt führen dufte?

Die frühen Jahre: Geburt, Kindheit und Jugend des Yogi Bhajan

Harbhajan Singh Puri, am 26.08.1929 im damals noch zu Indien gehörenden kleinen Dorf Kot Harkarn als Sohn eines Arztes geboren, zeigte von klein auf Interesse an heilkundlichen Themen. Er wuchs in der weltzugewandten Tradition der Sikh-Religion auf, in der die Schöpfung in besonderem Maße respektiert wird. Als er acht Jahre alt war, führte ihn der Tantra-Meister Sant Hazara Singh ins Kundalini-Yoga ein und ernannte ihn bereits im jugendlichen Alter von 16 Jahren zum Yogi. Nachdem kurze Zeit später Unruhen die Provinz erschütterten, marschierte er gemeinsam mit den Dorfbewohnern ins mehr als 300 Meilen entfernte Neu-Delhi. Der Legende nach hat der jugendliche Yogi die Führung bewusst übernommen, um die Menschen in Sicherheit zu bringen.

Studium, Staatsdienst und Verbindung zur Flower-Power-Generation

Auf geistiger, körperlicher und spiritueller Ebene talentiert und voller Wissbegierde, nahm Yogi Bhajan ein Studium in Chandigarh auf. Dort studierte er Wirtschaftswissenschaften an der renommierten Punjab Universität. Da er von hohem Wuchs und vielseitig sportlich begabt war, bezeichneten ihn seine Kommilitonen scherzhaft als „Chinesische Mauer“. Während des Studiums nutzte Yogi Bhajan die vorlesungsfreien Zeiten für Reisen innerhalb Indiens und zum Himalaja, um sich in verschiedenen Ashrams, den religiösen Meditationszentren, spirituell ausbilden zu lassen. Im Anschluss an das Diplom machte er Karriere im Staatsdienst, wo er als leitender Zollbeamter am Indira Gandhi International Airport tätig war und in Kontakt mit Menschen und Einflüssen aus dem Westen kam, denen er weltoffen begegnete. Trotz seiner Verpflichtungen als Beamter und auch nach Heirat und Familiengründung nahm er sich längere Auszeiten, beispielsweise um Karma Yoga zu praktizieren.

Yogi Bhajan als Pionier des Kundalini Yoga im Westen

1968 reiste der gläubige Sikh erstmals in ein westliches Land, als er einer Einladung der Universität von Toronto folgend einen Vortrag über Yoga hielt. Diese Reise sollte grundlegende Veränderungen für Yogi Bhajan und das Kundalini Yoga bringen: Nach dem zweimonatigen Kanada-Aufenthalt wurde Los Angeles in Kalifornien sein neuer Wohnsitz. Dort traf er mit seiner kraftvoll charismatischen Ausstrahlung und seiner Lehre im „Wassermannzeitalter“ den Nerv der friedensbewegten Flower-Power-Generation. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass für viele mit Drogen experimentierende Hippies der Sikhismus ein gangbarer Weg war, auch ohne Drogen zum höheren Bewusstsein zu gelangen. Yogi Bhajan hielt jedoch nichts davon, nur Anhänger um sich zu scharen. Sein übergeordnetes Interesse galt der Weitergabe seiner Lehren durch das Unterrichten neuer Schüler während seiner ausgedehnten Reisen.

Happy, holy, healthy: Gründung und Förderung der 3HO-Organisation

Um die Voraussetzungen zur Verbreitung des Wissens über die menschlichen Geburtsrechte auf Glück, Gesundheit und Heiligkeit zu schaffen, gründete der von seinen Schülern liebevoll Yogiji genannte Yogi Bhajan 1969 die 3H-Organisation. Dieses erste Kundalini-Yoga-Zentrum war nur der Anfang einer weltweiten Gründungswelle. Viele Mitglieder kleideten sich traditionell und zeigten ihre Geisteshaltung äußerlich durch kunstvolle Turbane und schlichte weiße Kleidung. Sie alle lebten als Yogis und getaufte Sikhs – Sikh Dharma galt dank Yogi Bhajan in Amerika als Weltreligion, wird heute allgemein aber als hinduistische Reformsekte eingeordnet. Mit dem 3HO Deutschland e.V. befindet sich einer von den heute mehr als 300 gemeinnützigen Vereinen zur „Förderung des Menschen durch Yoga“ auch in Deutschland. Der Hamburger Verein blickt auf insgesamt rund 15 Besuche des Yogi Bhajan zurück, der 1971 zum Mahan Tantra („Meister des Weißen Tantra-Yoga“) ernannt wurde. Im selben Jahr besuchte er, gefolgt von amerikanischen Schülerinnen und Schülern, mit dem Goldenen Tempel Harmandir Sahib die heiligste Stätte der Sikhs. Yogi Bhajan setzte sich zeit seines Lebens für die Gleichberechtigung von Frauen ein, befürwortete den Weltfrieden und die Religionsfreiheit und suchte den Dialog in Religion und Politik. Als er 75-jährig am 06.10.2004 in New Mexiko starb, hieß es, er habe seinen Körper nach einem erfüllten Leben verlassen. Seine Lehre aber überdauert jenseits von trendigen Yoga-Hypes und akrobatischen Verrenkungen in der Kundalini-Tradition als Yoga der Bewusstheit.

Bild © kapu

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