Mudras – Herz der Hatha-Yogapraxis

Mudras – Herz der Hatha-Yogapraxis
Mudras – Herz der Hatha-Yogapraxis

Es ist bisweilen die kleine Geste, die zählt – nicht nur symbolisch. Im Hatha-Yoga sind Mudras heilige Gesten mit symbolischer Botschaft sowie hoher energetischer Wirk- und Heilkraft. Weil Mudras ähnlich wie Asanas auf verschiedenen Ebenen wirken, werden Hand-Mudras mitunter auch als Finger-Yoga bezeichnet. Wie immer, wenn es um Yoga geht, ist die bewusste und genaue Ausführung der Mudras entscheidend. Dazu gehört die exakte Stellung der Hände und Finger, bei großen Mudras auch eine spezielle Atemtechnik und Körperhaltung.

Bedeutung und Wert der Mudras beim Hatha Yoga

Allzu häufig wird Hatha Yoga im Westen auf die Asanas reduziert. Dabei nimmt die Beschreibung der Mudras in alten vedischen Schriften sogar mehr Raum ein. In kleine und große Mudras unterteilt, sollen Mudras im Hatha Yoga Energien erwecken und in die gewünschte Richtung lenken. Kleine Mudras sind einzelnen Körperteilen zugeordnet. Dies sind die Finger, Augen, Zunge sowie der Hals, Beckenboden oder Bauch. Je nach Haltung kannst du Einfluss auf deine Energien und dein Bewusstsein nehmen. Du kannst die kleinen Mudras mit Atemtechniken oder mit Mantras kombinieren und so eine Reihe großer Mudras ausführen. Auch beim Kundalini-Yoga haben Mudras zusammen mit Bandhas eine zentrale Bedeutung bei der Freisetzung von Energien. Das Wort „Mudra“ hat neben der begrifflichen Bedeutung (Siegel) eine übertragene Sinndeutung auf tantristisch-mystischer Ebene. Mudra steht im Tantrismus für etwas, das Freude bringt und gibt. Körper-, Augen und Fingerhaltungen haben aus diesem Grund auch einen symbolischen Charakter. Energiebahnen in Händen, Fingern und Fingergliedern versinnbildlichen die Verbindungen von Körper, Geist und Seele. Darum sind insbesondere die Hand-Mudras ein wichtiger Teil der Yogapraxis. Sie dienen nicht nur der meditativen Vorbereitung und inneren Sammlung, sondern beeinflussen und verstärken die Wirkkraft von Körperübungen.

Mudras als Wege zu Heilung und Meditation

Mudras helfen, einen Zugang zur Meditation zu finden; ihnen werden von alters her aber auch vielfältige heilende Kräfte zugeschrieben. Du kannst Handgesten praktisch überall einnehmen, sogar unterwegs beim ruhigen Gehen in der Natur. Meist bietet sich die Gelegenheit aber anlässlich einer Yoga-Übungsstunde, sodass du die Mudras ausführst, während du sitzt, stehst oder liegst. Wenn du die sitzende Position wählst, sitze bequem, aber aufrecht und lasse den Atem gleichmäßig fließen, während deine Hände im Mudra entspannt auf den Oberschenkeln ruhen. Es dauert eine Zeit, bis du die Hände bei der Ausführung völlig entspannen kannst und den Druck deiner Finger fein und federleicht steuern kannst. Mit wachsender Übungspraxis wird es dir immer besser gelingen, da du die Beweglichkeit deiner Hände und Finger langsam stimulierst.

Einige wichtige Mudras im Hatha Yoga

Zwei der bekanntesten Mudras sind die Chin-Mudra und die Jnana-Mudra. Bei der Chin-Mudra, die den Energiefluss anregt, zeigt die Handinnenfläche nach unten, während Daumen und Zeigefinger zusammengeführt werden. Bei der Jnana-Mudra, einer Bewusstseins-Übung, werden ebenfalls Daumen und Zeigefinger zusammengeführt. Die Handinnenfläche zeigt aber nach oben. Je nachdem, ob sich die Finger nur leicht berühren oder du sanften Druck ausübst, verändert sich die Wirkung der Mudras von der passiven zur aktiven Haltung.

Eine wunderbar meditative Mudra ist die Grußhaltung, auch Geste des Gebets genannt, mit welcher beispielsweise der Sonnengruß eingeleitet und beendet wird. In Brusthöhe vor dem Herzen liegen die Handinnenflächen wie im Gebet so aufeinander, dass ein kleiner Hohlraum bleibt. Die Fingerspitzen zeigen nach oben.

Maha-Mudra ist eine sehr komplexe Mudra, die das Verschränken der Finger mit der Ausgangsstellung Vajrasana, wechselnder Körperhaltung und Atemtechnik kombiniert. Diese Mudra mit genau definierter Abfolge wird als „Die große Geste“ bezeichnet.

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